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„Ein Leben lang“ - Für ESVK-Fan Manfred Kraus nicht nur ein Buchtitel

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Foto: Birgit Kraus | 13.02.2019
Mit viel Herzblut und Leidenschaft verfasste Manfred Kraus zwei Werke über den ESV Kaufbeuren

Im nächsten Teil unserer DEL2-Fan-Serie widmen wir uns dem ESV Kaufbeuren und Manfred Kraus. Der gebürtige Bayer ist nicht nur seit über 50 Jahren treuer ESVK-Fan - er hat auch sein ganzes Herzblut in zwei Büchern zum Ausdruck gebracht. Diese Leidenschaft wird für jeden Leser seiner Werke spürbar. Im ersten Buch  „Augenblicke – Leidenschaft ESVK“ erzählt Kraus Geschichten vom Club und lässt die Momente - ob traurig oder schön - wieder fühlbar werden. Sein zweites Werk über den ESVK handelt von spannenden Erzählungen von Zeitzeugen aus allen Epochen der Kaufbeurer Eishockeygeschichte. Im Interview berichtet der Autor über seine Leidenschaft zum Eishockeysport, was den Standort Kaufbeuren ausmacht und über seine beiden Werke. 

Herr Kraus, Sie sind mit Leib und Seele Fan des ESV Kaufbeuren. Wann genau hat Sie die Leidenschaft für den ESVK und den Eishockeysport gepackt?

Ich war acht, als mich mein Vater an einem Winterabend anno 1968 zum ersten Mal aus unserem Dorf im Mindeltal mit hinauf nach Kaufbeuren zum Eishockey nahm. Das Stadion besaß noch kein Dach und die kalte Luft roch nach Schnee, nach Glühwein und Aufregung. Ich war vom ersten Augenblick an überwältigt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und die hält bis heute, denn der ESVK ist ein Verein zum Spüren. Man identifiziert sich mit ihm. Er strahlt Glaubwürdigkeit aus und ist tief in der Stadt und in der Region verwurzelt. Das führt zu einer Wechselwirkung zwischen dem Verein und seinen Anhängern, die sich in Kaufbeuren noch als ein Teil des Ganzen verstehen können.

Diese Unmittelbarkeit ist Ihnen wichtig?

Sehr sogar. Der ESVK ist bis heute eine Eishockeyfamilie geblieben. Das hat auch die bedrohliche Phase der Stadionsperre eindrucksvoll bestätigt, als der Verein und seine Anhänger mit der strapaziösen „Auswärts-daheim-Tour“ Außergewöhnliches auf die Beine gestellt und anschließend gemeinsam hingebungsvoll für die neue Halle gekämpft haben. Da war eine tiefe innere Kraft zu spüren. Diesen beispiellosen Kraftakt hätten viele weder durchgehalten noch zu einem guten Ende gebracht. Überhaupt hat es mich immer fasziniert, wie sich der David aus dem Allgäu den Goliaths des Landes gestellt hat, um den Sieg zu erringen oder auch den Kürzeren zu ziehen. Ich würde es gar nicht wollen, einem dieser auf das Siegen abonnierten Vereine anzuhängen. Der ESVK ist wie das echte Leben und er besitzt etwas, das man sich mit Geld nicht kaufen kann. Tradition, Leidenschaft, Zusammenhalt.

Sie haben zwei Bücher über den ESV Kaufbeuren geschrieben. In Ihrem ersten Werk „Augenblicke – Leidenschaft ESVK“ haben Sie aus der Sicht eines Fans berichtet. Wie kam es denn zu der Buchidee und wie viel Zeit ist von der Idee bis hin zum fertigen Buch vergangen?

Ich muss vorausschicken, dass es sich bei beiden Büchern um reine Liebhaberei handelt. Ich habe sie in bescheidener Auflage im Eigenverlag herausgebracht. Kostendeckung als Ziel. Es sind quasi Bücher eines Eishockeyfreundes für Eishockeyfreunde. Ja, wie kam es zu der Buchidee? Irgendwann war ich aus all den Jahrzehnten so voll von Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen, dass das alles einfach raus musste. Die nervenzerfetzenden Derbys gegen den AEV, als der hoffnungslos überfüllte Berliner Platz zu bersten und in die Luft zu fliegen drohte. Der kometenhafte Aufstieg des Kaufbeurer Jahrhunderttalents Didi Hegen, der als Teenager die Bundesliga rockte, aber fast erstickt wäre, hätte ihm nicht Oldrich Machac die Zunge aus dem Hals gezogen. Das Trauma der goldenen Achtziger, als unsere mehr als realistischen Hoffnungen auf den Einzug ins deutsche Playoff-Finale mit Füßen getreten wurden. Eines Tages habe ich angefangen, mir Notizen zu machen. Allerdings ohne den Hintergedanken an ein Buch. Schließlich ist daraus ein konkretes Vorhaben und nach mehr als zwei Jahren Arbeit eine Sammlung von Augenblicken entstanden, durch die sich auch meine eigene Geschichte wie ein rotgelber Faden zieht. Ich hoffe, dass sich diese Augenblicke in ihrer Zusammenschau zu einem Mosaik fügen, das das Gefühl ESVK spürbar zu machen vermag, denn das ist es, was den ESVK ausmacht, ein Gefühl.

In Ihrem zweiten Buch „Ein Leben lang“ schildern Sie die Vereinsgeschichte aus einer anderen Perspektive. Persönlichkeiten und ESVK-Legenden kommen zu Wort. Dabei traten sicher auch viele Anekdoten und Erlebnisse zutage, die so keinem mehr bewusst waren, oder?

Meine Begegnungen mit Zeitzeugen aus sieben Jahrzehnten haben die Kaufbeurer Eishockeygeschichte seit der Gründerzeit 1946 lebendig werden lassen. Bescheidene, bodenständige Leute, die den ESVK aufgebaut und das Herz am rechten Fleck haben, erzählten mir ihr uraltes, unwiederbringliches Wissen aus erster Hand. Ich habe es aufgeschrieben, damit es nicht verlorengeht. An der Seite der beiden letzten noch lebenden Gründungsmitglieder Fritz Sturm und Luggi Schuster, der im Übrigen trotz seiner 94 Jahre noch heute eine Dauerkarte bei seinem ESVK besitzt, nähern wir uns den Anfängen des Vereins an. Natürlich förderte der anrührende Gedankenaustausch mit ihnen und vielen weiteren Kaufbeurer Urgesteinen auch allerlei liebenswerte Anekdoten zutage. Etwa wie der blutjunge Füssener Xaver Unsinn beim allerersten Wettkampfspiel auf Kaufbeurer Eis bis zum Hals im Jordanweiher einbrach, wie Fritz Sturm zunächst mit selbstgebastelter Ausrüstung und den Glacéhandschuhen seiner Großmutter auflief oder wie Reinhold Rief nach seinem Wechsel zum ESVK täglich mit der Dampfeisenbahn dreizehn Stationen zwischen Füssen und Kaufbeuren hin- und hergondelte. In der Ziegelwies habe ich mich auf Spurensuche nach dem ebenso winzigen wie geheimnisvollen SCZ begeben und das unvergessene Kaufbeurer Eishockeyidol Fredl Hynek, von dem wir mittlerweile leider Abschied nehmen haben müssen, erzählte mir, wie die unwiderstehliche Paradereihe der Fünfziger zu ihrem Namen „Zefixsturm“ kam. Nicht fehlen dürfen natürlich Gespräche mit Größen wie Dieter Medicus, Manfred Schuster oder Paul Geddes, den ich in Kanada ausfindig gemacht habe, und Anekdoten wie unsere Heimfahrt aus Kaufbeuren, als mein Vater mit seinen beiden Buben nahe Bad Wörishofen mit dem VW Käfer beinahe die ganze Nacht im tiefen Schnee steckengeblieben ist.

Der Titel des zweiten Buches lautet „Ein Leben lang“ – trifft  dies auch auf Sie und Ihre Beziehung zum ESVK zu?

Der Buchtitel kommt natürlich nicht von ungefähr, er trifft aber beileibe nicht auf mich alleine zu. Ich bin nur einer unter vielen. Rot und gelb, das wird man und das bleibt man. Ein Leben lang. Der ESVK hat eine sehr treue, geduldige und leidensfähige Anhängerschaft. Pfiffe gegen die eigene Mannschaft sind beinahe undenkbar. Ob ich unserer Vereinsikone Luggi Schuster bis ins hohe Alter werde nacheifern können, steht in den Sternen. Ich weiß allerdings, dass ich die Leidenschaft für den ESVK von meinem Vater geerbt habe und dass in den Adern meiner Kinder ebenfalls rotgelbes Blut fließt.

Nicht nur Eishockey zählt zu ihrer Leidenschaft – auch die Poesie. Erzählen Sie bitte über Ihr zweites Hobby.

Der ESVK ist für mich ein Stück Allgäu, ein Stück Heimat. Und zur Heimat gehört natürlich auch unsere Mundart, die in einer sich immer schneller drehenden Welt zunehmend bedroht ist. Dabei ist sie doch die Sprache, die uns in die Wiege gelegt wird und uns unsere Gedanken und Gefühle in einer Tiefe zum Ausdruck bringen lässt, wie es das Hochdeutsche nicht vermag. Unsere Mundart ist bildstark und warmherzig, sie trägt zu einem Gefühl des Aufgehobenseins bei. Mich für ihren Erhalt einzusetzen, ist mir eine Herzensangelegenheit. Vielleicht kann das eine oder andere meiner Mundartgedichte einen Hauch der seelenhaften Allgäuer Landschaft und ihrer Menschen einfangen.

Aller guten Dinge sind drei – ist denn ein drittes Eishockeybuch über den ESV Kaufbeuren geplant?

Daran denke ich im Augenblick nicht. Obwohl es noch viele Geschichten zu erzählen gäbe. Aus der Vergangenheit und hoffentlich auch in der Zukunft, auf die ich zuversichtlich blicke. Wir fühlen uns in der sportlich reizvollen DEL2 wohl. Das ist eine anspruchsvolle Liga, in der sich ein Traditionsverein wie der ESVK bewegen kann, ohne dafür seine Identität opfern zu müssen. Zudem stehen an der Spitze des ESVK ebenso tatkräftige wie bodenständige und vernünftige Leute. Da ist etwas im Wachsen begriffen. Wir sind auf einem guten Weg.

Die beiden Bücher „Augenblicke – Leidenschaft ESVK“ und „Ein Leben lang“ sind im Fanshop des ESV Kaufbeuren und direkt beim Autor unter www.manfred-kraus.com erhältlich.

Foto: Birgitt Kraus