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Mein Standort kann: Rekrutierung mit dem ESC Dresden

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Foto: Eissportclub Dresden e.V. | 03.08.2020

Neue Nachwuchsserie geht an den Start

Marius Riedel, Standort- und Talententwickler, hat bei seinen Besuchen an den 14 DEL2-Standorten sich  vorgenommen von jedem einzelnen Nachwuchsverein etwas herauszufiltern, was besonders gut funktioniert. Mit der neuen Nachwuchs-Rubrik „Mein Standort kann“ wird jeder Standort mit einer Besonderheit vorgestellt.

Eine große Pyramide mit hoher Spitze kann ohne ein breites Fundament nicht stehen. Dessen wurden sich die Verantwortlichen beim ESC Dresden vor zirka sieben Jahren bewusst. Es sollte sich in der Vereinsarbeit etwas ändern, um mehr Dresdner Kinder für den Eishockeysport zu begeistern und die Basis für den Leistungssport zu bilden. Im Laufe der Jahre setzten sich alle Beteiligten sich immer wieder zusammen und überlegten, welche Aktionen der Verein durchführen kann, um mehr junge Spieler zu rekrutieren. Dabei wurde ständig evaluiert, welche Aktionen gut, welche weniger gut funktioniert haben. In der Saison 2015/2016 wurden beispielsweise insgesamt 90 Neuanmeldungen registriert- in den Jahrgängen 2007 bis 2012 gibt es jeweils 50 bis 72 Spielerinnen und Spieler. Die Eckpunkte der Rekrutierung werden im Folgenden vorgestellt. Dies bedeutet nicht, dass dies der perfekte Weg ist und alle Dinge genauso übernommen werden sollen. Hierbei geht es lediglich darum, zu zeigen, was in Dresden funktioniert und wie eine Rekrutierung gestaltet werden kann.

Ziel der Rekrutierung

Jede Arbeit sollte Zielgerichtet sein. Also wurde beim ESC am Anfang der „Rekrutierungsoffensive“ die Zahl 40 als Ziel festgelegt. Es sollten 40 Mädchen und Jungen pro Jahrgang rekrutiert werden. Schon nach kurzer Zeit stellte sich aber heraus, dass 40 Spieler in einem Jahrgang allerdings nicht ausreichen, um auch in der U20 noch genügend Spieler zu haben, um leistungsorientierten Mannschaftssport zu betreiben. Verschiedene Faktoren der Gesellschaft und des Sportes sorgen für immer weiter ansteigende Drop-out-Quoten. Also wurde die Zielstellung auf 50 pro Jahrgang angepasst.

Events als Werbeplattform

Wenn ein Kind erst auf dem Eis steht, die Schlittschuhe an den Füßen hat und einen Schläger in der Hand, ist die schwierigste Arbeit der Rekrutierung getan. Bis dorthin ist es aber ein weiter Weg. Auf diesem Weg gilt es, möglichst viele Kinder anzusprechen und das Feuer für den Eishockeysport zu entfachen. Die meisten Kinder (und deren Eltern) werden auf verschiedenen Events angetroffen. Diese Events werden in einem Kalender vom ESC Dresden erfasst und strukturiert. Dabei gibt es Monate mit nur einem Event, aber auch Monate an denen sich der ESC jedes Wochenende auf einer Veranstaltung präsentiert. Diese Präsentation erfolgt mit einem Stand im Eislöwen-Look, an dem die Kids auf einem Mini-Eishockeyfeld auf ein Tor schießen können. Inzwischen gibt es auch zwei aufblasbare Schussmodule. Natürlich ist der Stand in den Eislöwen Farben blau und weiß gehalten und bietet nebenbei auch noch die Möglichkeit für Werbeflächen. Auf diese Weise kann ein solcher Stand auch leichter finanziert werden. Zusätzlich können die Module auch für Kinderfeste und Geburtstage gemietet werden, sodass der Verein weitere Einnahmen erzielt. Ebenfalls von großer Bedeutung ist das „Branding“ der Helfer und Kinder. So verdeutlicht der Verein von der ersten Sekunde an ein großes „Wir-Gefühl“ und Zusammenhalt.

Vorrangig werden Veranstaltungen wie Stadtfeste, Messen, Parkfeste, Tage der offenen Tür oder Familienfeste genutzt, um Kinder und ihre Eltern anzusprechen. Perfekt sind von der Stadt errichtete Eisbahnen, die beispielsweise zur Weihnachtszeit auf dem Weihnachtsmarkt stehen. Hier können sich Kinder sofort ausprobieren und einen direkteren Bezug zum Element Eis herstellen.

Neben einem Trainer des ESC wird der Stand immer mit Spielern der Dresdner Eislöwen Juniors und deren Eltern mit Leben erfüllt. Dabei hat sich herausgestellt, dass es effektiver ist, wenn Kinder auf andere Kids zugehen und sie fragen, ob sie nicht Lust haben, selber mal auf das Tor zu schießen. Gleichzeitig ergibt sich dann für die Trainer und Helfer eine gute Möglichkeit die Eltern des Kindes anzusprechen, einen Flyer in die Hand zu geben und sie von einem Besuch bei der Laufschule des ESCD zu überzeugen. Auf diesem Flyer ist ein Gutschein für ein kostenloses Probetraining und gleichzeitig eine Kinderkarte für ein Spiel der Dresdner Eislöwen in der DEL2. Bekunden die Eltern Interesse an einem Probetraining, werden Name und E-Mail-Adresse mit deren Einverständnis notiert. Nach den Events bekommen die Eltern dann sofort eine E-Mail, wo nochmals alle Informationen wie Trainingszeiten, Treffpunkt, Ansprechpartner und vieles mehr erläutert werden.

Kindertagesstätten als Hauptzielgruppe

Natürlich sind die Events nicht die einzige Rekrutierungsmaßnahme der Eislöwen Juniors. Ein weiteres Projekt ist die Zusammenarbeit mit Dresdner Kindertageseinrichtungen. Da ein Kindergartenkind im perfekten Alter ist, um mit dem Eishockeysport zu beginnen, wird versucht dort präsent zu sein. Dies erfolgt zum einen über Eislaufkurse. Hierfür werden alle Dresdner Kitas vor der Saison angeschrieben und über die Kurse informiert. Diese Kurse beinhalten über einen vorher definierten Zeitraum eine wöchentlich stattfindende Eiszeit, in der die Kinder unter professioneller Anleitung die Grundtechniken des Schlittschuhlaufens erlernen. Damit die Kinder während dieser Zeit auch ausreichend versichert sind, treten sie für diesen Zeitraum zu einer reduzierten Mitgliedschaft in den Verein ein. Am Ende der Saison werden alle Kitas zu einer „Eisolympiade“ eingeladen um noch einmal das Eiserlebnis zu spüren und sich mit den anderen Kindertageseinrichtungen zu duellieren.

Für die Kitas, die sich nicht für einen Eislaufkurs entscheiden, gibt es die Möglichkeit eines Schnuppertages. Hierzu vereinbart der Kindergarten mit dem ESC einen Tag, an dem die gesamte Kita die EnergieVerbund Arena besucht. Neben einer Eiseinheit mit einem Trainer bekommen sie an diesem Tag außerdem eine Führung durch die Arena, sowie einen Einblick in die Kabine der Dresdner Eislöwen. Natürlich werden auch hier bereits vorher die Informationen und der Ablauf dieses Tages per Schreiben mitgeteilt.

Im Sommer organisiert der ESC Dresden das sächsische Kindersportabzeichen Flizzy. Dabei handelt es sich um einen altersgerechten Fitnesstest vom Landessportbund Sachsen, der es dem Verein ermöglicht, auch im Sommer mit Kitas in Kontakt zu treten und zu bleiben.

Das sächsische Kindersportabzeichen spricht ein breites motorisches Spektrum an. Neben Sprungkraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit sind vor allem koordinative Fähigkeiten, deren Förderung im Kindesalter so wichtig ist, bei der Bewältigung der Übungsaufgaben gefragt. Entsprechend unterschiedlicher Leistungsvoraussetzungen werden die einzelnen Übungen in ihrer Ausführung und Bewertung nach zwei Altersgruppen - Drei- bis Vierjährige und Fünf- bis Sechs- beziehungsweise Siebenjährige - differenziert.

An sieben Stationen probieren sich die Kinder aus: Standweitsprung, Zielwerfen, Rumpfbeugen, Pendellauf, Balancieren, Springen/Hampelmann und Rollen/Purzelbaum. Haben sie diese absolviert, gibt es für alle eine Urkunde und das Sächsische Kindersportabzeichen mit der niedlichen Sportmaus „Flizzy“ Es gibt fünf abnahmeberechtigte Prüfer im Verein, die entsprechend geschult und zertifiziert wurden.

weitere Maßnahmen

Eine weitere Maßnahme des ESCD sind Anfängerkurse in den Ferien. Hierzu können sich interessierte Kinder anmelden, um eine Woche lang - ebenfalls unter professioneller Anleitung - die Grundzüge des Schlittschuhlaufens zu erlernen. Diesen Kindern gelingt der Übergang in die einzelnen Mannschaften dann oftmals schneller, beziehungsweise können diese Kinder dann in der Laufschule in einer „fortgeschrittenen Gruppe“ starten.

Hinzu kommen kostenlose Schnuppertrainings im Rahmen des öffentlichen Laufens. Familien können für eine Stunde ihre Kinder bei einem Trainer „abgeben“ und dieser zeigt ihnen die ersten Grundzüge des Schlittschuhlaufens. Dieses Angebot wird über die Kommune als Betreiber des öffentlichen Eislaufens publiziert.

Für alle Aktionen wird zudem viel Werbung betrieben. Dies erfolgt unter anderem über die Social Media Kanäle des Vereins und der Dresdner Eislöwen. Hierfür bieten Facebook und Instagram sehr gute Möglichkeiten. Um diese Kanäle für Werbung zu nutzen, benötigen diese aber eine gewisse Reichweite. Diese wird nur erreicht, wenn bereits vorher die Accounts des Vereins mit Leben gefüllt wurden.

Als großer Erfolg hat sich der Eislöwen Juniors „Kumpeltag“ herausgestellt. An diesem Tag darf jeder Spieler der Laufschule einen Kumpel mitbringen und gemeinsam mit ihm auf das Eis gehen. Dort werden für alle Anwesenden dann verschiedene Stationen aufgebaut, an denen die Kinder sich ausprobieren können. Natürlich sind auch Spielstationen dabei, um auch bei den Freunden der Laufschüler die Freude für den Eishockeysport zu wecken.

Außerdem versuchen die Verantwortlichen der Eislöwen Juniors, besondere Events wie beipsielsweise ein Wintergame der DEL2-Mannschaft für zu nutzen. So wurde beim letztjährigen „Hockey Open Air“ im Rudolf-Harbig-Stadion unter anderem auch ein Kids Day und Einheiten der Laufschule durchgeführt. Der Kids Day auf einer Eisfläche im Fußballstadion war mit über 250 Kindern der erfolgreichste Kids Day, der je durchgeführt wurde. Zusätzlich wird bei Kids Days auch immer auf ein buntes Rahmenprogramm mit beispielsweise. Kinderschminken, Arena-Führungen oder Torwandschiessen geachtet, um den Eventcharakter eines Kids Days noch mehr herauszustellen.

Rekrutierung im Rahmen der DEL2

In Kooperation mit den Dresdner Eislöwen führen die Eislöwen Juniors bei den DEL2-Spielen weitere verschiedene Rekrutierungsmaßnahmen durch. Neben den bekannten Maßnahmen wie Pausenspiele, Einlaufkinder, Werbung auf der Leinwand und Verteilen von Flyer hat sich der „Eislöwen Juniors Gameday“ als hervorragende Werbung für den Eishockey-Nachwuchs herausgestellt. An diesem Spieltag unterstützen die Mädchen und Jungen des ESC Dresden die Mitarbeiter in ihren verschiedenen Tätigkeiten. Beispielsweise übernehmen die jungen Talente die Einlasskontrolle, helfen an den Getränkeständen, öffnen die Strafbänke, unterstützen den Stadionsprecher und leiten anschließend die Pressekonferenz.

Gerne schaut jeder aber auch über den eigenen Tellerrand hinaus, und nimmt Möglichkeiten der Werbung bei anderen Sportarten wahr. So ist es in den letzten Jahren zur Tradition geworden, dass auch bei einem Spiel von Dynamo Dresden die Spielerinnen und Spieler des ESC mindestens einmal pro Saison gemeinsam mit den Spielern auf das Feld laufen.

Nach der Rekrutierung ist vor der Rekrutierung

Wie bereits beschrieben, ist die schwierigste Arbeit, wenn das Kind bei einem Probetraining auf dem Eis steht, bereits getan. Da alle wissen, wieviel Freude Eishockey bestreitet, müssen sich die Verantwortlichen kaum Sorgen machen, dass dieses Gefühl bei Kindern nicht bestehen bleibt. Dennoch erfolgen nun beim ESCD wichtige Schritte. Zum einen bekommen die Eltern der „Schnupperkinder“ sofort einen Brief ausgehändigt, auf denen sie alle möglichen Informationen finden, die sie benötigen. Hier wird ihnen auch erläutert, wie es mit ihrem Kind weitergehen würde, wenn es sich für den Eishockeysport entscheidet. Zusätzlich sind dort Trainingszeiten, Treffpunkte, Kontaktpersonen und vieles mehr vermerkt.

Weiterhin werden die Kontaktdaten der Eltern sowie das Geburtsjahr des Kindes abgefragt und herausgefunden, wie sie vom Probetraining erfahren haben. Auf diese Weise wird evaluiert, welche Rekrutierungsaktionen erfolgreich waren und welche sich nur weniger rentiert haben. Eine solche Evaluierung hat noch mehrere Vorteile. In dem später erfasst wird, welches Schnupperkind auch wirklich Mitglied geworden ist, erhält der Verein Aufschluss, wie viele Kinder zum Probetraining bewegt werden müssen, um später eine Mannschaft zu füllen. Weiterhin haben die Verantwortlichen der Eislöwen Juniors herausgefunden, in welchem Jahr welchen Jahrgang rekrutiert werden muss. So wurde in Erfahrung gebracht, dass die meisten Kinder in den Monaten November und Februar rekrutiert werden. Zudem konnte ermittelt werden, in welchen Kalenderjahren die entsprechenden Geburtsjahrgänge rekrutiert werden sollten. Statistisch signifikant gibt es genau drei Jahre, in denen 80 Prozent eines Geburtsjahrganges für den Verein rekrutiert wird. Diese Statistik kann in die Zukunft fortgeschrieben werden und erlaubt die genaue Anpassung aller Events auf die gewünschte Zielgruppe. Interessant ist zudem das der Großteil der Rekrutierung bereits vor dem Schuleintrittsalter abgeschlossen ist und insofern Rekrutierung in Kitas eine große Rolle spielt, gerade wenn Eishockey in starker Konkurrenz zu anderen Sportarten mit einem frühen Hochleistungsalter steht. Die Daten aus der Laufschule werden wöchentlich in einer Tabelle erfasst, um so ständig auf dem neusten Stand zu sein. Wird deutlich, dass das Ziel von 50 Kindern pro Jahrgang verfehlt wird, können in der Zukunft noch weitere Aktionen hinzugefügt oder gezielt Werbung für diesen Jahrgang betrieben werden. Außerdem wird eine Gesamtbilanz geführt, wie viele Kinder in der gesamten Saison zum Probetraining erschienen sind, und wie viele davon Mitglied geworden sind. So ist es möglich die Entwicklung der Rekrutierung zu evaluieren und im Zusammenspiel mit den Daten der Laufschule gegebenenfalls für die neue Saison etwas zu verändern. So werden dünn besetzte Mannschaften in den Folgejahren vermieden und die Basis der Pyramide steht breit. Dies gilt als Voraussetzung für den späteren leistungsorientierten Mannschaftssport Eishockey.