Von Herzblut getragen. Im Eishockey zuhause.

Mein Standort kann: Standort-Kooperationen die sich auszahlen

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Foto: EV Ravensburg | 04.09.2020

Eine Erhöhung der Eiszeiten durch eine benachbarte Open-Air-Fläche.

Der Eishockeysport ist in Ravensburg etabliert und in den letzten Jahren steigerte sich, wie in nahezu allen deutschen Vereinen, der Zuspruch im Nachwuchsbereich. Somit wächst der Eissportverein Ravensburg e.V. und die Nachwuchsmannschaften sind alle gut besetzt. Der EVR ist zudem der zweitälteste Verein Deutschlands, welcher nächstes Jahr seinen 140. Geburtstag feiert.

Für den Sport, die Nachwuchsgewinnung und die potentiellen Stars von morgen ist dies von enormer Bedeutung. Wichtig dabei ist, dass die jungen Talente ausreichend trainieren können. In Ravensburg ist es aufgrund der Eisflächen-Situation und der Anzahl an Kindern nicht möglich, zwei Mannschaften parallel trainieren zu lassen. Jede Mannschaft benötigt jedoch Zeit auf dem Eis und der Bedarf kann derzeit nicht abgedeckt werden.

In Ravensburg ist zudem der Eiskunstlauf sehr stark vertreten und beansprucht, wie auch der Publikumslauf, viele Eiszeiten für sich. Für die Verteilung ist die Stadt Ravensburg verantwortlich. Mit einer Eisfläche ist daher nicht viel machbar, um den Anspruch gerecht zu werden. Für den EVR ist die Situation schwierig. Daher hat sich der Verein auf die Suche gemacht, weitere Eiszeiten zu generieren. Dabei stießen die Verantwortlichen auf den Standort Wangen. Dieser stand vor einer ungewissen Zukunft. In Wangen im Allgäu ist eine Sportstätte mit einer Eisfläche vorhanden, aber der örtliche Verein hat den Eissportbetrieb eingestellt.

Ravensburg und Wangen sind 25 Kilometer voneinander entfernt. Auch wenn sich Schussentäler und Allgäuer nicht immer einig sind, so hat es der Eishockeysport geschafft eine Verbindung zu knüpfen. Die Auslagerung einiger Laufschuleinheiten und anderer Trainingszeiten des EVR auf das Wangener Eis ist eine lösungsorientierte und klasse Idee. Auch die Spielerinnen und Spieler mögen die Einheiten unter freien Himmel und genießen das „Winter Classic“-Gefühl. Zudem wird so das Einzugsgebiet erweitert und der erste kleine Schritt hin zu einem „Satelliten-Verein“-System ist getan. Die Erweiterung des eigenen Trainings- und Rekrutierungsbetriebs auf andere Eisflächen kann  als Beispiel für andere Vereine dienen. Durch eine Umfrage vom Deutschen Eishockey Bund wurde herausgefunden, dass viele Vereine - insbesondere Infrastrukturell - an ihre Grenzen kommen. Dadurch stellt sich vielerorts die Zukunftsfrage: Wie schafft es ein Verein, trotz erreichter Kapazitätsgrenzen, weiterhin eine hohe Qualität sowie Quantität im Trainingsbetrieb zu gewährleisten? Gerade in den Laufschulen sind bereits jetzt viele Vereine überfüllt. Der Weg des EVR, einen „Aufnahmestopp“ zu umgehen und auf andere Eisflächen im Umfeld zurückzugreifen, ist ideal.

Dieses Projekt ist natürlich mit Kosten, wie beispielsweise die Anmietung der Eisfläche in Wangen und einem großen Zeitaufwand verbunden. Die Kinder treffen sich an der CHG Arena in Ravensburg, fahren von dort gemeinsam mit den Trainern in Kleinbussen nach Wangen, trainieren dort und fahren anschließend wieder zurück. Der Aufwand wird in Kauf genommen, um mehr Eiszeiten zu generieren, Spieler besser zu entwickeln und den Standort Wangen zu erhalten. Auch im Hinblick auf die Anforderungen des Kriterienkataloges des 5-Sterne-Konzeptes ist dies ein wichtiger Schritt. Der DEB erkennt die Eiszeiten auch außerhalb des eigenen Stadions an. Diese werden mit 50 Prozent berechnet. Der Wert dieser Fläche ist für den EVR und die gesamte Region dabei deutlich höher einzuschätzen.

Ein besonderes Highlight fand in Wangen im Dezember 2019 statt, als ein wirkliches „Winter Classic“ durchgeführt wurde. Eine Auswahl des EV Ravensburg spielte gegen eine Auswahl der Westallgäuer Hobbyliga. Auch für ein solches Vereinsevent, bei dem zusätzlich noch Spenden für den schwer verunglückten EVR Spieler Maximilian Lenuweit und die Wangener Stiftung „Valentina“ gesammelt wurden, ist die weitere Eisfläche optimal.

Vor dem Engagement und der Motivation der Verantwortlichen des EV Ravensburg kann ein jeder nur den Hut ziehen.

Talent- und Standortentwickler Marius Riedel: „Der Weg des EV Ravensburg ist ein super Beispiel, wie man aus der Not eine Tugend machen kann. Die geringen Eiszeiten in der heimischen Eishalle werden durch die Nutzung der Eisfläche in Wangen teilweise kompensiert. Natürlich ist es weiterhin wünschenswert, dass der EVR zukünftig auch in der CHG Arena mehr Eiszeiten erhält, um den Bedürfnissen des stetig wachsenden Vereines zu entsprechen. Die Lösung die gefunden wurde, bietet aber viele Vorteile und kann als Modell auch an anderen Standorten eine Alternative darstellen.“