Eric Hehner und der Indigenous Hockey Equipment Drive
Spendenprojekt sammelt Eishockey-Ausrüstung für benachteiligte Kinder in Kanada.
Seit mehr als zehn Jahren sammelt die Indigenous Hockey Equipment Drive in Kanada erfolgreich Eishockeyzubehör, um diese bedürftigen Communitys zu Verfügung zu stellen. Seit 2023 unterstützt Eric Hehner die Initiative mit einer Art „Luftbrücke“ aus Deutschland.
Inzwischen konnten mit den Lausitzer Füchsen und den Bietigheim Steelers renommierte Spendenpartner gewonnen werden. Auch der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) ist seit Kurzem ein wichtiger Partner der Aktion.
Nun möchte auch die DEL2 dem Indigenous Hockey Equipment Drive eine Plattform geben und das Projekt unterstützen. Im ersten Schritt haben wir mit Eric Hehner gesprochen. Er spricht über die Aktion, seine Beweggründe, bedürftigen Menschen zu helfen, und die Zusammenarbeit mit den Clubs in Weißwasser und Bietigheim.
Für viele deutsche Eishockeyfans ist Indigenous Hockey Equipment Drive vermutlich noch kein Begriff. Was genau steckt hinter der Initiative – und was hat dich persönlich dazu bewegt, dich dafür zu engagieren?
Eric Hehner: „Indigenous Hockey Equipment Drive ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die in der kanadischen Provinz Ontario und darüber hinaus aktiv ist. Sie wurde 2015 von Graham McWaters ins Leben gerufen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendliche aus indigenen Gemeinschaften mit Eishockeyausrüstung zu versorgen, um ihre Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und Teilhabe am Sport zu fördern. Die ist nämlich nach wie vor alles andere als selbstverständlich. Indigene Familien in Kanada können sich einen kostspieligen Sport wie Eishockey für ihre Kinder schlicht nicht leisten. Hier springt Indigenous Hockey Equipment Drive in die Bresche. Die Organisation arbeitet mit lokalen Hockeyvereinen, Unternehmen und gemeinnützigen Partnern zusammen und sammelt gebrauchte und neue Eishockeyausrüstung, um unter dem Motto #EveryChildMatters sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche auszustatten, die vornehmlich in entlegenen Regionen Kanadas leben. Die größten Herausforderungen liegen dabei in der Finanzierung, Organisation, Logistik und der Sicherstellung ausreichender Ressourcen und Freiwilliger.
Durch meine Frau habe ich familiäre Verbindungen nach Kanada. Ihr Onkel ist zufällig der beste Freund von Graham McWaters, der das Projekt gestartet hat. Seine beiden Söhne spielen Eishockey. Eines Tages holte Graham sie vom Eishockey ab und sah dabei indigene Kinder, die ihre Eishockeysachen in Müllbeuteln transportierten. Für ihn war das kaum vorstellbar. Er fand, dass die indigenen Kinder, die ohnehin schon in vielen Bereichen benachteiligt sind, nicht auch noch ohne vernünftige Eishockeyausrüstung auskommen sollten.
So entstand die Idee, Eishockeyausrüstung zu sammeln und an indigene Communities zu verteilen. Auf diese Weise erfuhr auch ich von dem Projekt. Bei einem Besuch 2023 zeigte mir der Onkel meiner Frau, wie viele Taschen sie bereits gesammelt hatten. Das hat mich sehr beeindruckt. Auf dem Rückflug nach Deutschland kam mir dann die Idee: Wir spielen hier doch auch Eishockey – da müsste sich doch etwas machen lassen. Zurück in Deutschland schrieb ich die Vereine der DEL1 und DEL2 an und fragte, ob sie ausrangierte Trikots und anderes Eishockey-Equipment für das Projekt zur Verfügung stellen würden. Damit nahm das Ganze seinen Lauf.“
Mehr als 6.000 Hockeytaschen (inklusive Inhalt) und über 10.000 Schläger konnten bereits verteilt werden. Was bedeutet diese Unterstützung für die Kinder und Communities, die die Ausrüstung erhalten? Gibt es eine Begegnung oder Geschichte, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Hehner: „Durch dieses immense Spendenvolumen, was hauptsächlich in Kanada zusammengetragen wurde, bekommen Kinder und Jugendliche nun die Möglichkeit, Eishockey zu spielen und am Nationalsport ihres Landes teilzunehmen. Das gibt ihnen nicht nur Freude am Sport, sondern auch mehr Gemeinschaft, Lebensfreude und neue Perspektiven. Graham zeigte mir ein Foto von einem kleinen Mädchen. Zu sehen, wie sie sich über die Hockey-Ausrüstung freut und dabei lacht, hat mich sehr berührt. Als Vater denkt man in so einem Moment automatisch an die eigenen Kinder und daran, wie gut es uns in Deutschland geht. Dabei entstand ganz spontan der Wunsch, diesen Kindern zu helfen, die unter deutlich schwierigeren Bedingungen aufwachsen und nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie viele Kinder bei uns.“
Welche Bedeutung hat Eishockey für die indigenen Communities in Kanada – und was kann der Sport Kindern und Jugendlichen über das eigentliche Spielen hinaus geben?
Hehner: „Eishockey ist ein wichtiger Teil der kanadischen Kultur. Wenn Kinder aufgrund fehlender Ausrüstung nicht daran teilnehmen können, bedeutet das deshalb mehr, als nur einen Sport nicht ausüben zu können. Durch die gespendete Ausrüstung erhalten sie die Chance, am Eishockey teilzunehmen, Freude am Sport zu haben und neue Perspektiven zu entwickeln. Genau deshalb ist die Unterstützung so wichtig.“
Seit 2023 gibt es durch die sogenannte „Luftbrücke“ auch eine Verbindung zwischen dem deutschen und kanadischen Eishockey. Was hat sich durch die Unterstützung aus Deutschland seitdem entwickelt?
Hehner: „Nach der Anfragephase im Jahr 2023 kam ein beeindruckendes Spendenvolumen zusammen: Über 48 Trikots, Eishockeytaschen, Trainingsjacken und weiteres Equipment konnten gesammelt werden. Anfang 2024 wurde die gesamte Ausrüstung dank der Unterstützung von Air Canada Cargo kostenlos von Frankfurt nach Toronto transportiert. Für Oktober 2024 war anschließend eine Verteilung von Spenden an bedürftige indigene Communities geplant. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich selbst vor Ort dabei sein und die deutschen Spenden persönlich übergeben. Wenn du dann in die Gesichter der Empfänger schaut und ihre Dankbarkeit erlebt, wird dir sehr schnell bewusst, wie viel Freude und Wirkung eine solche Zusammenarbeit entfalten kann. Besonders beeindruckend war, dass einige Communities eine Anreise von mehr als acht Stunden auf sich genommen haben, um nach Barrie (Stadt in Ontario) zum Übergabeort zu kommen und die Spenden persönlich entgegenzunehmen.
Ein weiterer besonderer Moment folgte im April 2025: Die U17-Mannschaft der Lausitzer Jungfüchse nahm an einem Hockeyturnier in Toronto teil und konnte sich vor Ort selbst ein Bild von der Arbeit der Hilfsorganisation machen. Bei dieser Gelegenheit wurden erneut Taschen mit brandneuen Schonern, Helmen und Trikots persönlich übergeben.
Der Kontakt mit den Lausitzer Füchsen ist bis heute nicht abgerissen. Im Gegenteil: Wir stehen weiterhin in engem Austausch. Das Engagement stößt inzwischen auch in Kanada auf großes Interesse. So werde ich im Oktober dieses Jahres auf Einladung des deutschen Konsulats nach Toronto reisen. Auch bei diesem Besuch wird der Eissport Weißwasser e.V. und die Lausitzer Füchse wieder mit Spenden unterstützen.“
Was macht es mit den Menschen vor Ort, wenn plötzlich nicht nur Ausrüstung aus Deutschland ankommt, sondern sich ganze Eishockeyclubs hinter die Initiative stellen und damit zeigen: Wir denken an euch und wollen euch unterstützen?
Hehner: „Die Unterstützung ist für die Spendenempfänger ein enormer Push – gerade weil es heutzutage keineswegs selbstverständlich ist, dass eine solche Hilfe sogar über den Ozean hinweg geleistet wird. Wenn sich ganze Eishockeyvereine hinter das Projekt stellen, gibt das den Communities zusätzlichen Rückhalt und vermittelt ihnen ganz deutlich: Ihr seid nicht allein, wir denken an euch und möchten euch unterstützen. Dass die Ausrüstung dabei aus Deutschland kommt, hat noch einmal einen besonderen Stellenwert. Es zeigt nicht nur die praktische Unterstützung, sondern vor allem Wertschätzung, Verbundenheit und Anerkennung.“
Kannst du uns mehr dazu sagen, welche DEL2-Clubs euer Projekt bereits unterstützen und wie das auch bei den Fans dieser Clubs ankommt?
Hehner: „Bereits jetzt unterstützen die Lausitzer Füchse sowie die Bietigheim Steelers aktiv unser Projekt. Die Unterstützung des Indigenous Hockey Equipment Drive durch zwei DEL2-Clubs wird im Umfeld der Fans überwiegend positiv wahrgenommen. Da die Unterstützung einen direkten Bezug zum Eishockey hat, bekommt das Engagement zudem eine authentische und greifbare Komponente. Insgesamt lässt sich daher sagen, dass die Unterstützung bei den Fans auf Akzeptanz und Sympathie stößt.“
Wenn jetzt ein Fan oder sogar ein Club nach diesem Interview sagt: „Da mach ich mich, bzw. da machen wir mit!“ – wie können sie den Indigenous Hockey Equipment Drive konkret unterstützen?
Hehner: „Besonders benötigt werden derzeit Eishockeytaschen, in denen die Ausrüstung gesammelt und anschließend an die Communities verteilt werden kann. Darüber hinaus freuen wir uns auch komplette Trikotsätze. Wer unser Projekt unterstützen möchte, kann sich gerne direkt bei mir unter hockey-drive@web.de melden. Jede Spende hilft dabei, Kindern und Jugendlichen in den indigenen Communities die Teilnahme am Eishockey zu ermöglichen.“