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Selber Wölfe haben neuen Cheftrainer gefunden
22.05.2024Bild: Mario Wiedel

Selber Wölfe haben neuen Cheftrainer gefunden

Craig Streu übernimmt den Cheftrainer-Posten in Selb

Die Selber Wölfe sind auf der Suche nach ihrem neuen Headcoach fündig geworden: Mit Craig Streu kommt ein erfahrener und überaus erfolgreicher Trainer nach Selb, der junge Talente entwickeln kann. Der 55-Jährige wechselt als amtierender DEL-Meister nach Selb, ist der Wunschkandidat der Wölfe-Verantwortlichen und soll die nächsten Jahre zusammen mit Co-Trainer Lanny Gare einen maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung des DEL2-Standorts beitragen.

Der gebürtige Kanadier Craig Streu kam in der Saison 1993/1994 als Spieler nach Deutschland. Über Grefrath und Amberg gelang dem Mittelstürmer für eine Spielzeit der Sprung in die DEL zu den Augsburger Panthern, ehe er im Anschluss für zehn Jahre sehr erfolgreich in der 2. Bundesliga (jetzt DEL2) agierte. Ein Highlight in der Spielerkarriere des Rechtsschützen war die Teilnahme an der B-WM 1999: Hier erzielte Craig Streu in sieben Spielen zwei Treffer und steuerte eine Vorlage für die deutsche Nationalmannschaft bei.

Seine Trainerkarriere startete Craig Streu in Bremerhaven. Für die Norddeutschen war der „Professor“ – wie er in Bremerhaven genannt wird - zuvor acht Jahre als Spieler aufgelaufen und hat sich an der Nordseeküste eine Art Legendenstatus erarbeitet. Über Hannover und Passau führte den Deutsch-Kanadier der Weg weiter ins österreichische St. Pölten, wo er drei Jahre als Nachwuchstrainer fungierte und sich nun auf der Trainerposition mit jemanden duellierte, dem er zuvor schon viele Jahre als Spieler auf dem Eis gegenüberstand: „Ich kenne Craig Streu schon sehr lange. Zuerst haben wir beinahe 10 Jahre gegeneinander gespielt und anschließend haben sich unsere Wege als Trainer wieder gekreuzt. In dieser Zeit lernte ich Craigs Charakter kennen und weiß daher, was für ein Typ Mensch er ist. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass er auf jeden Fall ein passender Kandidat für uns ist“, weiß Wölfe-Geschäftsführer Sven Gerike zu berichten. Anschließend zog es den gebürtigen Kanadier wieder zurück nach Deutschland, wo er als Headcoach das Oberliga-Team in Neuwied übernahm. Ein weiteres Engagement in Rheinland-Pfalz wurde durch die finanzielle Pleite des EHC jäh beendet und so führte das Schicksal Craig Streu und Serge Aubin zusammen: Zunächst zwei Jahre bei den Vienna Capitals in der EBEL, im Anschluss eine Saison bei den ZSC Lions in der höchsten Spielklasse der Schweiz und zuletzt fünf Spielzeiten bei den Eisbären Berlin arbeiteten die beiden überaus erfolgreich als Trainerteam zusammen und führten die Vienna Capitals 2017 sowie die Eisbären Berlin in den Jahren 2021, 2022 und 2024 jeweils zur Meisterschaft.

„Für Craig Streu haben sehr viele Punkte gesprochen“, nimmt uns Wölfe-Geschäftsführer Sven Gerike mit in den Auswahlprozess, der in den letzten Wochen bei den Porzellanstädtern stattgefunden hat. „Wir hatten wirklich eine ganze Reihe von Top-Kandidaten, die sich bei uns für den Posten des Cheftrainers beworben haben. Letztendlich hat sich Craig Streu durchgesetzt. Er erfüllt unser Anforderungsprofil am besten. Zudem hat er mit Frank Hördler bereits vier Jahre zusammengearbeitet. Frank und ich kennen ihn also auch persönlich. Darüber hinaus hat er sich bei seinem Besuch in Selb und in den vorherigen Gesprächen hervorragend präsentiert“, so Sven Gerike weiter. „Auch seine Erfahrung als Nachwuchstrainer in St. Pölten war ein Faktor, der für ihn gesprochen hat. Wir werden hier in Selb zukünftig noch stärker auf junge, hungrige Spieler setzen. Deshalb brauchen wir einen Trainer, der junge Spieler entwickeln kann und dies auch will“, erklärt der Wölfe-Geschäftsführer. „Craig hat an der Seite von Serge Aubin wichtige Aufgaben übernommen und eine tragende Rolle ausgefüllt. Das Gesamtpaket „Craig Streu“ hat uns überzeugt. Deshalb freut es uns riesig, dass es geklappt hat, ihn nach Selb zu holen“, ist Sven Gerike froh, dass mit Craig Streu nun ein
Wunschkandidat für die kommenden drei Jahre verpflichtet werden konnte. „Dennoch möchte ich es nicht versäumen, mich bei allen anderen Bewerbern zu bedanken! Wir hatten einige sehr gute Kandidaten zur Auswahl und haben viele sehr gute und spannende Gespräche geführt. Letztendlich haben Nuancen für Craig gesprochen“, so Gerike abschließend.

Für seinen Wechsel nach Selb haben viele Gründe gesprochen, wie uns der neue Selber Headcoach Craig Streu berichtet: „Zum einen natürlich Frank Hördler. Ich habe vier Jahre lang mit Franky in Berlin zusammengearbeitet und ich schätze ihn sehr. Auf der anderen Seite weiß Franky natürlich auch, welcher Typ Trainer ich bin. Zudem sind alle Gespräche super gelaufen. Nachdem ich mir anschließend zusammen mit meiner Frau vor Ort in Selb noch einen persönlichen Eindruck verschafft hatte, war mir am nächsten Morgen klar, dass ich den Vertrag unterschreiben werde. Ich habe gespürt, dass die Leute hier, egal ob die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle oder auch Lanny Gare, mit richtig viel Leidenschaft für den Club arbeiten.
Beeindruckend ist die Halle mit der Kabine und dem Fitnessstudio. Das ist kein Vergleich mehr mit dem, was ich zuletzt vor etwa 20 Jahren als Spieler gesehen hatte. Man findet hier perfekte Arbeitsbedingungen vor. Darüber hinaus ist es auch wichtig, dass sich Leute wie die Familie Netzsch nachhaltig für den Standort engagieren und man langfristig denkt.“ Auch die Stadt Selb hat einen guten ersten Eindruck hinterlassen: „Die Stadt ist nicht groß, aber es ist alles da, was man braucht.“

Nun freut sich Craig Streu schon richtig darauf, sein neues Team kennenzulernen und mit der Mannschaft zu arbeiten. Dabei ist er noch nicht auf ein bestimmtes Spielsystem festgelegt: „Ich muss erst die Jungs kennenlernen, um dann zusammen mit Lanny Gare ein passendes Spielsystem zusammenzubasteln. Wichtig ist für mich, dass wir konstant auftreten und immer unser Eishockey durchziehen. Egal ob wir zuhause oder auswärts spielen. Von den Spielern erwarte ich, dass sie Spiel für Spiel mit vollem Einsatz dabei sind und das aus sich herausholen, was möglich ist. Ich liebe kreatives Eishockey und die Jungs sollen befreit aufspielen und ihr Talent nutzen, solange es sich im Rahmen des vorgegebenen Systems bewegt. Die Balance zwischen Kreativität und Spielsystem muss passen und wir sollten alle zusammen, Team und Staff, Spaß miteinander haben.“ Dass Selb einer der kleinsten DEL2-Standorte mit nicht gerade üppigem Budget ist, schreckt den 55- Jährigen nicht: „Klar ist das keine leichte Aufgabe. Aber ich liebe Herausforderungen. Ich arbeite auch gerne mit jungen Spielern zusammen. Mein Ziel ist es, sie nicht nur als Eishockeyspieler, sondern auch als Menschen zu entwickeln. Die jungen Spieler sollen wachsen.“

Neben seiner Frau sowie zwei erwachsenen Kindern, gehört dazu auch ein Labrador, der sich auch schon mit den Wäldern und Teichen um Selb herum angefreundet hat, zur Familie Streu. Stolz ist der neue Headcoach auf seine beiden Kinder, die beide eine Profikarriere im Eissport eingeschlagen haben: „Meine Tochter ist viele Jahre mit Disney On Ice als Profi-Eiskunstläuferin durch die Welt gereist. Jetzt arbeitet sie bei Cirque du Soleil. Gemeinsam mit meinem Sohn Sebastian habe ich in Berlin zwei Meisterschaften feiern dürfen und heuer treffen wir mindestens viermal in der DEL2 aufeinander. Sebastian wird in dieser Saison für den EHC Freiburg auflaufen.“

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