Im Gespräch mit… Olympia-Silbermedaillengewinner Danny aus den Birken
Krefelds Goalie über seine Olympia-Erfahrung, die Winterspiele in Mailand und seine Zeit in Krefeld.
Danny aus den Birken ist zurück! Bei den Krefeld Pinguinen kam der 40-Jährige bereits zu zwei Einsätzen und zeigte, dass er noch immer auf einem hohen Niveau spielen kann. Dieses Können brachte ihm viele Erfolge ein – unter anderem die legendäre Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen 2018 mit Team Deutschland.
Im Interview spricht aus den Birken über die „verrückte Zeit“ bei Olympia, seine Gefühlslage beim Gewinn der Medaille, das deutsche Team bei den anstehenden Olympischen Spielen und natürlich auch über sein Comeback und die Zukunft bei den Pinguinen.
Danny aus den Birken, willkommen zurück in der DEL2. Wie hat es sich angefühlt, endlich wieder zwischen den Pfosten zu stehen?
Danny aus den Birken: „Vielen Dank. Ich freue mich natürlich, es war im Großen und Ganzen immer mein Wunsch, wieder zu spielen. Wer mich so ein bisschen verfolgt hat, sei es über den Podcast oder in anderen Interviews, hat mitbekommen, dass ich noch nicht aufhören, sondern weiterspielen wollte. Allerdings nicht um jeden Preis, und es musste das Paket stimmen. Und das hat in Krefeld dann gepasst, auch weil es nicht allzu weit von Iserlohn entfernt ist, wo ja unser Wohnsitz ist. Und deswegen freue ich mich sehr, wieder auf dem Eis zu stehen.“
Nimm uns doch einmal mit: Wie ist das abgelaufen mit den Pinguinen? Wann kamen sie auf dich zu? Und war es von Anfang an die Idee, dass du nochmal als Spieler aufs Eis gehen würdest, ehe du ins Trainergeschäft einsteigst?
Aus den Birken: „Ich hatte nach einer Möglichkeit gesucht, nochmal zu spielen und meine Karriere abschließen zu können, mit zukunftsorientierter Arbeit. Wir sind schon länger in Gesprächen mit den Pinguinen gewesen, es kam jedoch nie zu einem Paket, das zu 100 Prozent gepasst hatte. Wir hatten aber immer das Gefühl, dass es gut passen würde, dementsprechend war immer ein Austausch vorhanden. Dass ich auf der Torwarttrainer-Position für die Organisation helfen kann, war schon immer Bestandteil der Gespräche, um auch etwas für die Zukunft aufzubauen. In Krefeld haben wir viel Potenzial, auch durch den Bau der neuen Eishallen, und möchten uns bestmöglich aufstellen und den Nachwuchs wieder zu einer der Top-Jugendabteilungen in Deutschland aufbauen – so wie es schon zu meiner Nachwuchszeit war.“
Wann kam für dich die Überlegung, als Goalie-Coach arbeiten zu wollen und warum ist Krefeld die richtige Wahl für dich?
Aus den Birken: „Ich bin ja schon seit mehreren Jahren Goalie-Coach. Ich habe mein Goalie-Camp und ich habe in der Vergangenheit auch schon mit einigen Profitorhütern privat gearbeitet. Auch da sehe ich Potenzial in Krefeld und möchte hier meine Erfahrung weitergeben und mich selbst weiterbilden. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur den Weg gibt, den ich kenne, sondern dass es viele verschiedene Philosophien gibt. Ich bin natürlich von meiner Philosophie überzeugt, aber ich möchte mich auch darüber hinaus weiterbilden. Krefeld war für mich dahingehend die richtige Wahl, weil unsere Gespräche gut waren und ich großes Potenzial sehe, hier zukunftsorientiert zu arbeiten.“
Mit Verlaub gesagt, du bist der zweitälteste Spieler der Liga. Steckt dir so ein Spiel heute länger in den Knochen als noch vor einigen Jahren? Und was hilft dir bei der Regeneration?
Aus den Birken: „Wer ist der älteste Spieler, das interessiert mich (lacht)? Definitiv steckt ein Spiel länger in den Knochen als noch vor einigen Jahren, das merkt man. Regeneration ist deshalb extrem wichtig. Der Fokus liegt im Alter nicht mehr so stark auf dem Training, ich glaube, es ist schwer, in meinem Alter noch groß besser zu werden, sondern es geht eher darum, die Leistung zu halten und den Körper zu schonen. Wichtig ist, dass man in meinem Fall, nach einer längeren Zeit abseits des Eises wieder auf sein Level kommt und das Level hält. Ich hab ja auch schon in Dresden kommuniziert, dass ich nicht hier bin, um jedes Spiel zu spielen, sondern um Tiefe in den Kader zu bringen und meine Erfahrung weiterzugeben und zu helfen. Wir haben mit Bicki einen der Top-Torhüter der Liga, und ich möchte ihn, soweit es geht, auch unterstützen, dass er sich gut und wohlfühlt und wir uns gegenseitig noch ein bisschen pushen, damit die Leistung von uns beiden jeweils nochmal einen Ticken nach oben geht, und wir das Team verstärken können.“
Themawechsel: Die Olympischen Spiele beginnen in Kürze. Du selbst warst zwei Mal bei Olympia dabei. Wie besonders ist diese Teilnahme für einen Sportler?
Aus den Birken: „Ich glaube, es ist ein Traum für jeden, das ultimative Ziel als Athlet. Es ist natürlich auch eine Riesenehre und es macht einfach unglaublich Spaß, die anderen Athleten kennenzulernen, andere Veranstaltungen anzuschauen und zu sehen, was da für eine Atmosphäre herrscht. Ich durfte zwei total verschiedene Spiele kennenlernen. In China war es schon fast eher negativ. Durch die Corona-Zeit, war es wirklich nicht so geil, aber trotzdem war es spektakulär. Da haben wir natürlich mit Ängsten gekämpft, in Quarantäne zu landen und solche Geschichten, aber es war trotzdem ein Abenteuer und ich möchte das nicht missen. Und Südkorea war natürlich das Highlight mit der Silbermedaille, und das ist und bleibt unvergessen und eine der schönsten Reisen von uns allen, die da dabei waren, die auch immer in unseren Köpfen bleiben wird. Ich wünsche dem Team für dieses Jahr natürlich ganz viel Glück, aber auch ganz viel Spaß. Ich hoffe, dass die Jungs und Mädels die Spiele genießen und es hoffentlich auch eine verrückte Reise wird.“
Dieses Jahr geht das DEB-Team mit einem extrem starken Kader ins Turnier. Die Konkurrenz aber auch. Was traust du den deutschen Männern zu?
Aus den Birken: „Es wird gesagt, es ist das beste deutsche Team, das es je gegeben hat. Das ist es auf jeden Fall, das unterschreibe ich auch, aber leider haben die anderen Teams auch unglaubliche Top-Spieler dabei, dementsprechend sind sie wahrscheinlich auch mit am besten besetzt. Sei es die großen Nationen Kanada, USA, Schweden, die Finnen auch noch, aber dann, glaube ich, kommen wir schon fast, die Tschechen sind auch noch top besetzt. Was traue ich den Jungs zu? Ich würde jetzt einfach mal das Halbfinale in den Raum werfen. Ich drücke natürlich die Daumen und hoffe wieder mal auf etwas ganz Tolles und Verrücktes.“
Du gehörst zu den Silbermedaillengewinnern von 2018, wurdest damals zum Goalie des Turniers gewählt. Wie hast du dieses Turnier und den Moment erlebt, als du die Medaille erhalten hast?
Aus den Birken: „Das Turnier war halt diese Reise. Man ist hin und war happy, dass man dabei war. Vom ersten Spiel an, das wir, glaube ich, mit 4:1 verloren haben, bis hin zum letzten Spiel war das ein stetiges Bergauf, wo wir gemerkt haben, dass wir toll harmonieren, ein tolles Team sind, uns super verstehen und wirklich von Spiel zu Spiel besser gespielt haben und erfolgreicher wurden. Als wir ins Finale eingezogen sind, war das natürlich total verrückt, also das konnte wirklich keiner von uns glauben. Ich erinnere mich an Momente, als wir alle still in der Kabine saßen, uns angeschaut und gefragt haben, was hier gerade passiert ist, bis hin zu 55 Sekunden vor dem Ende, als wir sogar die Goldmedaille fast in der Hand hatten. Der emotionalste Moment war natürlich, als wir dann in Unterzahl das 4:3 in Overtime bekommen haben und es dann vorbei war. Das war für mich damals wie ein Stich ins Herz. Der Moment hat aber nicht allzu lang angehalten. Danach, als ich die Medaille dann in der Hand hielt, war es für mich Freude pur, und ich konnte dann realisieren, was wir alles erreicht haben.“
Letzte Frage: Hat die Medaille von 2018 einen besonderen Platz bei dir zuhause?
Aus den Birken: „Ich sage mal so: Die Medaille hat einen besonderen Platz, ist aber gut verschlossen. Die ist mir dann doch zu viel wert, um sie einfach irgendwo herumliegen zu lassen, deshalb ist sie an einem sicheren Ort (lacht).“