Von Herzblut getragen. Im Eishockey zuhause.

Die korrekte Ausführung eines Bullys

/media/news/660/20161015_bully_citypress.jpg
Foto: City Press | 15.10.2016
Komplexes Thema / Schlittschuhe parallel / Chancengleichheit

Für wenig Verständnis sorgt häufig, dass ein Spieler beim Anspiel weggeschickt wird. Aus diesem Grund widmen wir uns heute dem richtigen Bully.

Vor zwei Jahren hatte eine Analyse ergeben, dass zahlreiche Anspiele im deutschen Eishockey nicht dem Regelwerk entsprechen. Daraus resultiert die Entscheidung, mehr Wert auf eine korrekte Ausführung zu legen.

Das ist ein sehr komplexes Thema. Nachfolgend haben wir die wesentlichen Bestimmungen des Bullys erläutert.

Wird das Spiel am Beginn eines Drittels oder nach einer Unterbrechung angepfiffen, gibt es ein Bully. Bei diesem Face-Off stehen sich zwei gegnerische Spieler an einem Bully-Punkt gegenüber. Der Puck wird von einem Linienrichter eingeworfen. Beide Spieler versuchen dann die Scheibe in ihren Besitz zu bekommen.

Sobald der Schiedsrichter in einer Spielunterbrechung seinen Arm senkt und damit signalisiert, dass kein weiterer Spielerwechsel mehr zulässig ist, kommt der Linienrichter ins Spiel. Der Linienrichter zeigt mit einem Pfiff an, dass beiden Teams noch fünf Sekunden verbleiben, um ihre Position für das folgende Anspiel einzunehmen. Der Spieler am Anspielpunkt wird auch Center genannt.

Die Spieler des angreifenden Teams geben die jeweilige Position vor. Ist das Anspiel in der Spielfeldmitte, ist die Gastmannschaft zuerst an der Reihe. Der defensive Spieler (Center des verteidigenden Teams), muss den Schläger zuerst auf das Eis bringen. Danach senkt der offensive Spieler den Schläger. Beim Anspiel in der Mitte beginnt der Center des Gastteams.

Es ist die hohe Kunst des Linienrichters am Anspielpunkt mit gekonnter und zielgerichteter Kommunikation den beiden Centern und den anderen Spielern nahe zu bringen, was er von ihnen erwartet. Er muss sie so steuern, dass sie ihre jeweilige Position korrekt einnehmen. Das heißt für die Center, dass sie beide Skates so setzen, dass sie jeweils parallel und außerhalb der Markierung (= die doppelten „L´s“) am Anspielpunkt sind. Die Außen müssen ihre ruhende Position hinter ihrer jeweiligen Markierung (Hash Marks) am Kreis sowie außerhalb des Kreises einnehmen. Kontakt mit den Linien ist erlaubt. Auf dem roten Anspielpunkt sind kleine weiße Markierungen. Dort hinein müssen die Center die Spitze ihres Stockblatts setzen. Dann droppt der Linienrichter den Puck. Gutes Timing beim Droppen ist eine weitere Fähigkeit, welche die Referees beherrschen müssen.

Folgen beide Teams diesem Verfahren, haben sie die gleiche Chance das Anspiel zu gewinnen. Stellt ein Center zum Beispiel seine Schlittschuhe nicht parallel in die doppeltem „L´s“ oder nimmt ein Außen seine Position im Kreis ein, verbessern sich die Aussichten dieses Teams, das Anspiel zu gewinnen. Folglich verschlechtern sich die Chancen der anderen Mannschaft, welches den Verfahrensregeln folgt. Darin liegt der Grund, dass die Spieloffiziellen darauf achten, dass die Regeln über das Anspiel eingehalten werden.

Folgen die Spieler den Hinweisen des Linienrichters nicht, wirft er den Puck nicht auf das Eis und veranlasst, dass der Center des entsprechenden Teams ausgetauscht wird. Wird der Regelverstoß beim Anspiel erst nach dem Droppen des Pucks augenscheinlich, wird dann abgepfiffen und das Anspiel wiederholt, wenn dieses Team die Puckkontrolle nach dem Droppen des Pucks erlangt. Erlangt jedoch das fehlerfreie Team die Kontrolle über den Puck, geht das Spiel weiter. Typische Regelverstöße sind:

  • - Der Center platziert sein Stockblatt nicht in der weißen Markierung
  • - Der Center versucht gar nicht, den Puck mit seinem Stock zu spielen, er geht stattdessen gleich in den Gegenspieler „hinein“
  • - Der Center geht in den physischen Kontakt mit dem Gegenspieler bevor der Puck gedroppt wird
  • - Die Außen verlassen verfrüht ihre Position, das heißt bevor der Puck gedroppt wird

Liegt einer der genannten Regelverstöße vor, unterbricht der Linienrichter das Anspiel und es muss wiederholt werden. Begeht dasselbe Team in diesem Wiederholungsanspiel erneut einen Regelverstoß, folgt die "Kleine Bankstrafe" gegen dieses Team. Wichtig an dieser Stelle: Die Entscheidung, ob dasselbe Team im selben Anspiel einen erneuten Regelverstoß beging, obliegt allein dem Schiedsrichter. Der Linienrichter ist hier nicht berufen, darüber zu entscheiden, da hieraus eine Strafe resultiert. Hierbei gibt es eine Ausnahme. Und zwar dann, wenn der Center das Anspiel deshalb gewinnt, weil er den Puck mit der Hand spielt.

(Mit freundlicher Unterstützung durch Gerhard Müller - DEB Regelreferent)