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Warum Eishockey in Crimmitschau der Pulsschlag einer ganzen Region ist
09.09.2026Bild: Eispiraten Crimmitschau

Warum Eishockey in Crimmitschau der Pulsschlag einer ganzen Region ist

Crimmitschau-Legende Stefan Steinbock über die kleine Eishockeystadt in Westsachsen.

Eishockey hat in Crimmitschau Tradition. Seit den 1920er Jahren gehört der Sport zur Stadt und ist bis heute fest in der Region verankert. Das demnächst anstehende 100-jährige Jubiläum des ETC Crimmitschau wird die Eispiraten und ihre Fans die ganze nächste Saison begleiten. Einer, der die Entwicklung des Crimmitschauer Eishockeys über Jahrzehnte hautnah erlebt hat und bis heute prägt, ist Stefan Steinbock.

Sein Weg aufs Eis begann in Crimmitschau – sozusagen zwangsläufig. „Für mich war es fast eine Selbstverständlichkeit, in Crimmitschau mit dem Eishockeyspielen anzufangen, da ich aus einer Eishockeyfamilie stamme. Der Weg war vorgezeichnet“, erzählt Steinbock, immerhin spielten sein Vater und seine Brüder selbst Eishockey. 

VON CRIMMITSCHAU NACH BERLIN

Steinbock selbst hatte früh ein klares Ziel: Berlin. Nach einem Freundschaftsspiel seiner Crimmitschauer Schülermannschaft gegen Dynamo Berlin 1978 – das laut Steinbock haushoch verloren wurde – wurden die Verantwortlichen auf ihn aufmerksam. „Ich wollte so schnell wie möglich nach Berlin, weil ich nur dort meinen Traum realisieren konnte.“

Und das tat Steinbock: Mit Dynamo Berlin, einer der damals stärksten Mannschaften Europas, wurde er sieben Mal in Folge DDR-Meister. Die Krönung war das Erreichen des Europacup-Finalturnieres 1984 in Südtirol. 

„Wir hatten eine perfekte Mischung aus erfahrenen Führungsspielern und jungen, hungrigen, wahnsinnig talentierten Spielern“, erinnert sich Steinbock. Die Erfolge hätten auch geholfen, den Eishockeysport in der DDR am Leben zu halten.

ZURÜCK IN DIE HEIMAT

Nach weiteren Stationen beim EV Landshut und in Nürnberg führte Steinbocks Weg 1996 zurück nach Crimmitschau. Den Kontakt zum Heimatverein hatte er nie verloren und auch die Entwicklung des Standorts nach der Wende verfolgt. Ein langfristiges Angebot des damaligen ETC-Präsidenten Dr. Bräuninger, das auch eine Perspektive über die aktive Spielerkarriere hinaus beinhaltete, gab schließlich den Ausschlag. Steinbock hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Studium im Sportmanagement und -marketing begonnen.

„Ich merkte, dass sich da ein Kreis schließt“, sagt Steinbock. Gleichzeitig reizte ihn die Aussicht, als Einheimischer wieder vor dem eigenen Publikum zu spielen. Rund 5.000 Zuschauer kamen damals im Schnitt in den Sahnpark. Der Druck sei entsprechend groß gewesen – doch beweisen musste er zu diesem Zeitpunkt niemandem mehr etwas. „Ich wollte mich einfach mit meinen Erfahrungen einbringen.“

VOM SPIELER ZU MITGESTALTER

2000 feierte Steinbock mit dem ETC die Oberliga-Meisterschaft und beendete anschließend seine aktive Karriere. Die Nummer 10 wird seitdem nicht mehr vergeben beim Club. „Natürlich ist das eine Ehre“, sagt er – und schiebt direkt hinterher, dass es in Crimmitschau Spieler gegeben habe, die sich „weitaus mehr und länger im Verein ausgezeichnet haben“. 

Mit dem Eishockey war für Steinbock trotzdem noch lange nicht Schluss. Bereits 2001 übernahm er die Aufgabe als Sponsorenbeauftragter. „Für mich war es wichtig, dem Verein, der mir die ersten Schritte auf dem Eis ermöglicht hat, etwas zurückzugeben und mich aktiv an der sportlichen Entwicklung zu beteiligen“, sagt er.

Der Wechsel vom Eis auf die wirtschaftliche Seite brachte eine völlig neue Perspektive: „Als Spieler lebt man größtenteils notwendigerweise in seiner eigenen Welt und kennt die realen Probleme in einem Verein kaum. Das ist ein gewaltiger Lernprozess“, so Steinbock. 

EIN ENTSCHEIDENDER NEUANFANG

Steinbock erlebte dabei auch die wirtschaftlich schwierigste Phase des Clubs aus nächster Nähe. Der sportlich erfolgreiche Weg in den professionellen Bereich habe die Strukturen des ETC an ihre Grenzen gebracht. 2007 wurde deshalb schließlich die Eispiraten Crimmitschau GmbH gegründet. „Wenn es diesen Schritt nicht gegeben hätte, wäre Profi-Eishockey in Crimmitschau heute nicht mehr möglich“, so Steinbock.

Gleichzeitig betont er, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unabhängig von der Liga die Grundlage für professionellen Sport seien. „Natürlich ist die DEL2 unser Anspruch, aber nur wenn es machbar und realistisch ist. Alles andere wäre der falsche Weg und würde die Existenz gefährden.“

„WIR SIND EINE EISHOCKEYSTADT“

„Das Crimmitschauer Eishockey mit seiner Historie, seiner Tradition, mit allen Höhen und Tiefen, prägt eine ganze Region“, versichert Steinbock. „Es ist der Pulsschlag dieser kleinen Stadt und der ganzen Region.“ Dass Woche für Woche tausende Fans ins Stadion pilgern und stolz auf ihren Club sind, müsse man einfach erlebt haben. „Wir sind eine Eishockeystadt und das gilt es zu erhalten.“

Daran arbeitet Steinbock seit inzwischen 25 Jahren mit. Seine eigene Rolle will er dabei nicht selbst bewerten. Er könne nur sagen, dass er sich stets mit „Energie und Visionen“ eingebracht habe – „mit allen Ecken und Kanten, aber immer in der Sache. Das ist mein Job.“ 

 

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