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Der Videobeweis

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Foto: City-Press | 02.09.2016
Ab der Saison 2016/17 neu in der DEL2 / Nur bei Fragen zu Toren zulässig / Sieben Kriterien zu überprüfen

Im Juli 2015 trafen die DEL2-Clubs einstimmig die Abrede, den Videobeweis einzuführen. Mit Beginn der Saison 2016/17 wird der Videobeweis in der DEL2 Wirklichkeit. Verantwortlich für die Installation zeigte sich die Firma Innomedia von Karsten Mick. In der Umsetzung wurden zwei Übertorkameras, über jedem Tor eine, installiert. Hinzu kommt ein System, das diese Bilder sammelt und dem Schiedsrichter auf einem Monitor anbietet. Zusätzlich steht das Bild der Führungskamera zur Verfügung. Weitere Kameraperspektiven können in dem System Verwendung finden, falls diese verfügbar sind. Das System wird von einem Mitarbeiter des gastgebenden Teams bedient.

Bevor der erste Puck für ein offizielles DEL2-Spiel der neuen Spielzeit fällt, stellen wir den Videobeweis und die Arbeitsweise der Schiedsrichter mit diesem Hilfsmittel vor. Der Videobeweis wird nur bei Fragen zu Toren herangezogen. Bei allen anderen Entscheidungen außerhalb der Frage „Tor oder kein Tor?“ ist der Videobeweis nicht zulässig.

Ein Tor wird wie folgt definiert: Der Puck überquert komplett die Torlinie zwischen beiden Pfosten und unterhalb der Querstange. Der Schiedsrichter (SR) deutet mit ausgestrecktem Arm in Richtung Tor und zeigt damit an, dass der Puck die Torlinie überquert hat. Stellt er jedoch fest, dass Gründe vorliegen, die ein Tor ungültig machen, winkt er aus (ausgestreckte Arme).

Es bleiben aber Fälle, in denen der SR zunächst auf Tor entscheidet, allerdings im Rahmen der Beweiserhebung Gründe erkennbar werden, die zur Annullierung des Tores führen (z. B. weil der angreifende Feldspieler den Puck mit der Hand ins Tor gelenkt hatte). Umgekehrt kann es auch sein, dass der SR mit seiner Erstentscheidung einem Tor die Anerkennung versagt, um nach Erhebung des Videobeweises zu dem Schluss zu kommen, dass das Tor doch gültig ist (z. B. weil er jetzt zweifelsfrei erkennt, dass der Puck die Torlinie doch komplett überquert hatte).

Versagt er dem Tor die Anerkennung, veranlasst er die entsprechende Durchsage durch den Stadionsprecher. Zum Beispiel, dass das Tor nicht gültig ist, weil der Puck die Torlinie nicht komplett überquert hatte.

In jedem Fall bedarf es einer Erstentscheidung auf dem Eis. Der etwa folgende Videobeweis dient dazu, eine getroffene Entscheidung zu überprüfen und nicht dazu, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Denn es kann ja der Fall eintreten, dass der Videobeweis nicht erhoben werden kann, weil das System nicht funktioniert. Es kann aber auch sein, dass die fragliche Szene im Rahmen der Beweiserhebung nicht aufgelöst werden kann. In diesen Fällen gilt die Erstentscheidung, die der SR auf dem Eis getroffen hatte

Während der Beweiserhebung müssen alle Spieler auf bzw. an ihrer jeweiligen Spielerbank warten. Spieler die hiergegen verstoßen, können vom Schiedsrichter mit einer Disziplinarstrafe belegt werden.

Wird der Videobeweis erhoben, können die Unparteiischen die Szene nach den folgenden Kriterien überprüfen:

  1. Der Puck hatte die Torlinie komplett überquert
  2. Der Puck gelangte ins Tor, bevor der Torrahmen verschoben war
  3. Der Puck gelangte ins Tor, bevor oder nachdem das Drittel beendet ist
  4. Der Puck wurde ins Tor gelenkt mit der Hand oder mit einer Kickbewegung
  5. Der Puck wurde von einem Spieloffiziellen ins Tor gelenkt
  6. Der Puck traf gegen einen Stock eines angreifenden Spielers über der Höhe der Querstange, bevor er ins Tor gelangte

Zu diesen Beweisthemen kommen dann noch spezifische Situationen zum Thema „angreifender Feldspieler im Torraum“.

Sprechen alle Kriterien für einen gültigen Treffer, findet das Tor Anerkennung.

Der Videobeweis wird „von Amts wegen“ erhoben. Das heißt, der/die SR treffen die entsprechende Entscheidung auf Beweiserhebung. Dabei lassen sie aber auch ein feines Gespür dafür einfließen, ob auch die Teams den entsprechend Fall für beweiserheblich ansehen. Wurde das Spiel mit dem nachfolgenden Anspiel fortgesetzt, ist jeder Videobeweis zur fraglichen Situation nicht mehr zulässig.

Es kann Fälle geben, in denen eine Situation beweiserheblich wird, allerdings der/die SR das Spiel nicht unterbrechen (z. B. weil sie nicht erkennen konnten, dass der Puck die Torlinie überquerte). Führt die Beweiserhebung im folgenden Spielunterbruch zu dem Ergebnis, dass ein gültiges Tor erzielt wurde, muss die Spielzeit entsprechend angepasst werden. Das gilt auch für etwa laufende Strafzeiten. Auch diese müssen entsprechend angepasst werden. Eine laufende Kleine Strafen des Unterzahlteams, welches dieses Tor kassierte, wäre automatisch erloschen.

Sollte der nach der beweiserheblichen Situation folgende Spielunterbuch deshalb erfolgt sein, weil der SR einen Regelverstoß erkannte, der eine Strafe nach sich zog, ist diese Strafe zu verwirklichen. Die in diesem Spielunterbuch außerdem getroffen Entscheidung auf Tor (nach Beweiserhebung) führt nicht etwa dazu, dass die (Kleine) Strafe wegfällt.

Für den Fall, dass der folgende Unterbruch nach einer fraglichen Szene aufgrund eines weiteren Treffers erfolgt – unabhängig davon ob Team A oder Team B erfolgreich war – so verliert dieser Treffer seine Gültigkeit, wenn das erste Tor Anerkennung findet.