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Position der Übertorkamera

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Foto: City Press | 21.03.2018
Optische Täuschung durch notwendig versetzte Kameraposition

Im Spiel zwischen den Bayreuth Tigers und den Lausitzer Füchsen vom 20.  März gab es in der 58. Spielminute eine Torsituation, die für Diskussionen sorgte. Ein Schussversuch von Tigers-Spieler Michal Bartosch aus halblinker Position flog Richtung Gäste-Tor. Das Schiedsrichtergespann entschied auf dem Eis auf kein Tor, zog aber zur Kontrolle den Videobeweis zu Rate. Nach gründlicher Sichtung aus allen vorhandenen Perspektiven haben die Referees ihre Entscheidung bestätigt. Aufgrund von Bildern der Übertorkamera konnten viele Eishockey-Interessierte die Entscheidung nicht nachvollziehen. Auf einem Standbild sieht es so aus, als ob der Puck die Linie im vollen Umfang überquert hat.

Fest steht: Der Puck trifft eindeutig den seitlichen Posten des Tores in etwa halber Höhe. Zu sehen ist dies auf der Führungskamera und auf der Übertorkamera. Nachdem der Puck vom Torpfosten zurückprallt, kommt die Scheibe auf dem Eis unmittelbar vor der Torlinie zur Ruhe. Dies ist auf der Übertorkamera zu sehen. Ein angreifender Spieler versucht den Puck mit seinem Stock zu spielen, was jedoch misslingt, da er am Puck vorbei schlägt - in diesem Moment ist das Spielgerät auf dem Weg vom Pfosten auf das Eis. Ebenfalls zu sehen in der Übertorkamera. Nachdem der Puck auf dem Eis zur Ruhe gekommen ist, wird dieser von einem verteidigenden Spieler vom Tor weggespielt. Dies ist wieder in der Übertorkamera ersichtlich. Das bedeutet, die Scheibe war zu keinem Zeitpunkt hinter der Torlinie und somit wurde die bereits auf dem Eis getroffene Entscheidung auf "kein Tor" mittels Videoaufzeichnung bestätigt.

Optische Täuschung durch notwendig versetzte Kameraposition:

Die Übertorkamera ist etwas vor der Torlinie angebracht, was dazu führt, dass zwischen der Querlatte des Tores und der Torlinie auf dem Eis ein optischer Abstand besteht. Dieser Versatz ist in Wirklichkeit nicht vorhanden. Die optische Verzerrung führt jetzt dazu, dass der Puck am Seitenpfosten im Vergleich zur Torlinie von oben gesehen als "über der Torlinie" wahrgenommen wird.

Die Wirklichkeit ist jedoch eine andere: Um den tatsächlichen Sachverhalt vor Augen zu haben, werden bei der Entscheidungsfindung beide Kameraperspektiven berücksichtigt - der Ansicht von oben und der Ansicht von der Seite (in dem Fall: Ansicht der Führungskamera). Der Zeitraum, den der Puck benötigt, um von halber Höhe des Seitenpfostens bis auf das Eis zu gelangen, wird - wenn nur die Bilder von oben gesehen werden - als "hinter der Torlinie" wahrgenommen. Da sich der Seitenpfosten und die Torlinie auf dem Eis jedoch in einer Ebene befinden, ist diese optische Annahme jedoch falsch. Hier liegt eine optische Täuschung vor. Es ist auch nicht möglich, die Kamera direkt - sprich lotrecht - über der Querlatte anzubringen, da ansonsten die Torlinie nicht mehr zu sehen wäre und von der Querlatte verdeckt würde. Es wäre dann nicht mehr möglich, einen Puck, der sich auf dem Eis befindet und knapp hinter der Torlinie ist, dort auch zu erkennen, weil die Scheibe dann durch die Querlatte verdeckt wäre. Das Ausmaß der Querlatte würde durch den Abstand zum Eis von über einem Meter deutlich breiter erscheinen, als die Torlinie.

Die Schiedsrichter sind auf diese Eigenart des Videobeweises, der Position der Übertorkamera und der dadurch möglichen optischen Täuschung hingewiesen und geschult worden. Sie kennen diesen Umstand und berücksichtigen ihn bei der Überprüfung von solchen Szenen.

Hier geht es zum Beweisvideo: https://www.youtube.com/watch?v=93Pekj1JfOc&feature=youtu.be




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