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Renè Rudorisch: Das beweist die enorme Stärke unseres Ligensystems
23.09.2026Bild: Michael Pointvogel / Eisblog

Renè Rudorisch: Das beweist die enorme Stärke unseres Ligensystems

DEL2-Geschäftsführer im Eishockey NEWS Interview über die Heim-WM, die Entwicklung der DEL2 und vieles mehr.

Die Saison 2026/27 in der DEL2 hat begonnen. Mit spannenden Partien und den ersten Überraschungen unterstrich die Liga gleich zum Auftakt einmal mehr ihre sportliche Attraktivität. Doch auch wirtschaftlich kann sich die Entwicklung der Liga sehen lassen. Im Interview mit der Eishockey NEWS sprach DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch vor kurzem über die Lage der Liga auf sportlicher und wirtschaftlicher Ebene, Änderungen im Regelwerk zur neuen Saison, die kommende Weltmeisterschaft, die Zusammenarbeit mit Sporteurope.TV, Nachhaltigkeit und vieles mehr.

Pünktlich zur DEB-Mitgliederversammlung im Juni wurde der neue Kooperationsvertrag zwischen Verband und Zweiter Liga unterzeichnet. Kurz für die Eishockeyfans erklärt: Was wird darin festgehalten und wo liegen die Veränderungen zum Vorgängervertrag?

René Rudorisch: "Der Kooperationsvertrag bildet das Fundament für das vertrauensvolle und zukunftsorientierte Miteinander von Spitzenverband und Liga. Im Kern bestätigt die Vereinbarung das Recht der ESBG, den Spielbetrieb der DEL2 eigenständig, professionell und wirtschaftlich autark als eigenständige Gesellschaft zu organisieren und zu vermarkten. Zugleich regelt der Vertrag die entscheidenden Schnittstellen des deutschen Eishockeys: von der gemeinsamen und verbindlichen Nachwuchsförderung über ein einheitliches Schiedsrichterwesen bis hin zur Anerkennung der internationalen Regelwerke. Darüber hinaus leistet die DEL2 ihren verlässlichen Beitrag zur Unterstützung des DEB bei der Erfüllung seiner übergeordneten Verbandsaufgaben. Wir ziehen an einem Strang, um den gesamten Eishockeysport in Deutschland strukturell und sportlich weiterzuentwickeln."

Die kommenden Eishockeysaison in Deutschland steht ganz im Zeichen der IIHF Eishockey-WM 2027 in Deutschland. Inwiefern wird sich das auch in der DEL2 bemerkbar machen, zumal man mit Düsseldorf ja auch den Austragungsort des Finalwochenendes 2027 in der DEL2 als Standort hat?

Rudorisch: "Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist ein gewaltiges Schaufenster und ein einmaliger Katalysator für unseren Sport. Die Strahlkraft dieses Großereignisses wird weit über die Austragungsorte hinausreichen. Wir werden die wachsende Begeisterung in ganz Eishockey-Deutschland spüren – von den kleinsten Nachwuchsteams bis in den Profibereich der ersten und zweiten Liga. Wenn Deutschland sich international erneut als leidenschaftliche Eishockeynation präsentiert, rückt unsere Sportart noch stärker in das mediale und gesellschaftliche Blickfeld. Als DEL2 stehen wir voll hinter diesem Turnier und unterstützen alle Initiativen, um diesen Schwung
nachhaltig für die Begeisterung an unseren Standorten zu nutzen."

Der Verband hat mit dem Programm DEB 2034 ambitionierte neue Ziele formuliert: Welche Punkte des 10-Säulen-Konzepts werden in Ihren Augen die DEL2 und deren Clubs am stärksten betreffen?

Rudorisch: "Das Zukunftskonzept setzt an den entscheidenden Hebeln an. Für unsere DEL2-Standorte wird der Anspruch an die Nachwuchsausbildung und die Zertifizierung weiter steigen – was eine zwingende Notwendigkeit darstellt, wenn wir deutsches Eishockey dauerhaft internationalen in der Spitze etablieren wollen. Parallel dazu überprüfen wir im Liga-Spielbetrieb kontinuierlich, wie wir unsere Förderstrukturen für talentierte deutsche Spieler noch wirksamer gestalten können. Hier wird es sicher ein gesamtheitliches Konzept mit PENNY DEL, DEL2 und Oberliga geben müssen. Der drängendste Bereich bleibt jedoch die Infrastruktur: Der Sanierungsstau in den Eissporthallen ist an vielen Standorten unübersehbar. Spitzenförderung und Nachwuchsarbeit auf Topniveau gelingen nur dann, wenn wir über zeitgemäße, energieeffiziente und ganzjährig nutzbare Sportstätten verfügen. Hier bedarf es zwingend eines engen Schulterschlusses von Sport und Politik."

Nach einem Jahr in der PENNY DEL ist Dresden zurück in der DEL2. Wie bewerten Sie ein solches Kurzzeit-Erstliga-Abenteuer? Verdeutlicht es die Lücke zwischen den beiden Ligen oder sollte man da nicht zu viel hineininterpretieren?

Rudorisch: "Ein solches Szenario ist keineswegs negativ zu bewerten, sondern der beste Beweis für eine lebendige und funktionierende Auf- und Abstiegskultur im deutschen Eishockey. Die Dresdner Eislöwen haben dieses anspruchsvolle Jahr organisatorisch und wirtschaftlich hervorragend gemanagt. Ein Abstieg schmerzt sportlich immer, aber der Standort kehrt wirtschaftlich gesund, strukturell gewachsen und hochmotiviert in die DEL2 zurück. Die Dresdner Fans haben das Erstliga-Jahr bis zum letzten Spieltag mit ausverkaufter Halle honoriert. Genau diese Begeisterung und dieser Rückhalt sind jetzt das Fundament, um den nächsten sportlichen Anlauf mit voller Energie
anzugehen."

Mit Memmingen gibt es erneut einen Aufsteiger aus der Oberliga Süd, die Serie hält also an. Was bringen die ECDC Indians mit, wo hat der Neuling noch strukturellen Nachholbedarf?

Rudorisch: "Mit den Memmingen Indians begrüßen wir einen enorm traditionsreichen und leidenschaftlichen Standort in der DEL2, der sich diesen sportlichen Aufstieg absolut verdient hat. Die Verantwortlichen haben im Lizenzierungsverfahren sehr akribisch und professionell gearbeitet. Dennoch bringt der Schritt in das vollprofessionelle Eishockey klare Herausforderungen mit sich. Das betrifft zum einen die Verwaltung: Der Betrieb eines DEL2-Standorts lässt sich auf Dauer nicht auf wenigen Schultern oder rein ehrenamtlich stemmen. Hier müssen hauptamtliche Strukturen weiter wachsen. Zum anderen besteht in der Stadioninfrastruktur Nachholbedarf, insbesondere bei der Kabinensituation, um dem parallelen Betrieb von DEL2-Profis, Frauenteam und starkem Nachwuchs gerecht zu werden. Auch im Hospitality-Bereich wird der Standorte in den nächsten Jahren weiter zulegen müssen, um die tolle Unterstützung im Bereich seiner Sponsoren auch für die nächsten Jahre weiter ausbauen zu können. Wir begleiten die Indians partnerschaftlich bei diesen Entwicklungsprozessen so gut wir können und freuen uns sehr auf die stimmungsvollen Spiele am Hühnerberg."

An einigen Standorten konnten zuletzt wichtige infrastrukturelle Weichen für die Zukunft gestellt werden, so in Kassel, Ravensburg, Rosenheim, Regensburg und auch Freiburg. Wie bewerten Sie das und bei welchen Clubs sehen Sie in den nächsten fünf Jahren auch relativ akuten Handlungsbedarf, um den Anforderungen künftig weiter gerecht zu werden?

Rudorisch: "Diese Investitionen sind Meilensteine und unverzichtbare Schritte für die Zukunftsfähigkeit der gesamten Liga. Standorte wie Kassel, Ravensburg, Rosenheim, Regensburg oder Freiburg zeigen, was mit klaren Visionen und der Unterstützung von Kommunen und Partnern möglich ist. Gleichzeitig müssen Standorte wie Bad Nauheim, Crimmitschau oder wie eben schon genannt Memmingen in den kommenden Jahren zwingend nachziehen. Wer langfristig professionelles Eishockey spielen und verlässliche Nachwuchsausbildung betreiben will, benötigt moderne Bedingungen, ausreichende Eiszeiten auch für den Nachwuchs und zeitgemäße Hospitality- und VIP-Kapazitäten für die
wirtschaftliche Vermarktung. Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten vor Ort die Dringlichkeit erkennen und gemeinsam tragfähige Konzepte für die Zukunft des Sports an diesen Traditionsstandorten ebenso realisieren."

Erneut konnte die Liga mit den Spink-Zwillingen, zwei der Top-Fünf-Scorer der slowakischen Extraliga 2025/26 und den DEL-Torjägern Chris Wilkie und Matt White namhafte Neuzugänge anziehen. Würden Sie bestätigen, dass solche Namen auch die Entwicklung der Liga verdeutlichen?

Rudorisch: "Diese hochkarätigen Verpflichtungen unterstreichen den gestiegenen Stellenwert und die sportliche Attraktivität der DEL2 eindrucksvoll. Unsere Clubs arbeiten auf einem Niveau, das es ermöglicht, internationale Top-Spieler und gestandene DEL-Persönlichkeiten für unsere Liga zu begeistern. Das gilt gleichermaßen für die Qualität auf den Trainerpositionen. Die DEL2 hat sich in ganz Europa einen exzellenten Ruf als sportlich anspruchsvolle, hochkompetitive und professionell geführte Liga erarbeitet. Das sorgt für großartigen Sport und pure Emotionen auf dem Eis."

In diesem Sommer wurde der Spielplan nicht öffentlich im Rahmen eines Streams ausgelost, was waren die Gründe dafür?

Rudorisch: "Die Organisation eines professionellen Spielbetriebs mit 14 Standorten und teils multifunktional genutzten Arenen erfordert einen sehr hohen planerischen Vorlauf. Der ausdrückliche Wunsch unserer Clubs war es, den Spielplan so früh wie möglich festzuzurren, um Hallenbelegungen, Sicherheitsabsprachen und Reiseplanungen verlässlich zu koordinieren. Unser oberstes Ziel ist ein maximal ausgeglichener Spielplan bei minimaler Anzahl nachträglicher Spielverlegungen. An dieser frühzeitigen und planungssicheren Praxis halten wir auch künftig fest."

Ruhig geworden ist es in der DEL2 zuletzt um das Thema Event Games. Was sind die Gründe dafür?

Rudorisch: "Eishockey-Deutschland erlebt in den Jahren 2026 und 2027 herausragende Großereignisse – angefangen beim Gastspiel der NHL und dem Deutschland Cup an unserem Standort Düsseldorf, bis hin zur Weltmeisterschaft 2027 im eigenen Land. Wir möchten den Terminkalender unserer Fans nicht überfrachten oder in eine künstliche Konkurrenz zu diesen Highlights treten. Großveranstaltungen unter freiem Himmel bleiben ein fester und emotionaler Bestandteil der DEL2-Identität. Wir werden sicher auch wieder Event Games austragen, sobald der Rahmen und das Timing für unsere Clubs und Fans ideal sind."

In den letzten Jahren purzelten die Zuschauerrekorde in der DEL2… Haupt- und Endrunde zusammengerechnet kamen 2025/26 im Schnitt 3.767 Fans in die Arenen. Nach dem Aufstieg der Krefeld Pinguine in die PENNY DEL muss man nun von einem leichten Rückgang der esamtzuschauerzahl ausgehen?

Rudorisch: "Für ausgeschlossen halte ich es nicht. Zweifellos hinterlässt der Aufstieg der Krefeld Pinguine mit ihrer großen Multifunktionsarena eine spürbare Kapazitätslücke im Gesamtschnitt, die kein einzelner Club allein schließen kann. Dennoch verzeichnen wir an fast allen Standorten eine ungebrochene Fanbegeisterung, steigende Dauerkartenverkäufe und eine fantastische Atmosphäre in den Stadien. Wenn alle Clubs ihr Potenzial weiter ausschöpfen, haben wir die reelle Chance, auch ohne Krefeld ein hervorragendes Gesamtergebnis zu erzielen. Unsere Fans sind und bleiben das Herzstück dieser Liga."

Eine größere Baustelle der letzten Jahre waren das Ligasponsoring. Konnten auf diesem Bereich Fortschritte gemacht werden? Welche Vorhaben diesbezüglich gibt es für die nahe Zukunft?

Rudorisch: "Gemeinsam mit unserem Vermarktungspartner JB Sportmanagement haben wir hier deutliche und nachhaltige Fortschritte erzielt. Wir freuen uns sehr über das Engagement renommierter Marken wie junited AUTOGLAS und GEFRO als neue DEL2-Partner. Beide Partner sind prominent auf der Schiedsrichterkleidung sichtbar, junited AUTOGLAS darüber hinaus auf dem Tornetz-Schnittschutz an den Toren. Diese Kooperationen stärken die wirtschaftliche Basis und Weiterentwicklung der Ligagesellschaft und unserer Clubs maßgeblich. Gleichzeitig profitieren unsere Partner von der hohen Reichweite, der medialen Präsenz und der emotionalen Bindung im Eishockey. Diesen Kurs der gezielten Ligavermarktung wollen wir konsequent weiter ausbauen."

Wie zufrieden ist die Liga mit den Streamingzahlen bei Sporteurope.TV nach der zweiten gemeinsamen Saison?

Rudorisch: "Wir ziehen ein sehr positives Fazit. Die Buchungs- und Nutzungszahlen haben im Vergleich zum Vorjahr erneut zugelegt. Besonders entscheidend ist, dass wir die anfänglichen technischen Hürden der Plattformumstellung vollständig überwunden haben und flächendeckend eine stabile und qualitativ hochwertige Übertragung in allen Arenen anbieten. Das ist in erster Linie der herausragende Verdienst der engagierten Streaming-Crews vor Ort an den Standorten. Durch ihren Einsatz haben wir die Sichtbarkeit und Professionalität der DEL2 auf der digitalen Bühne deutlich gesteigert."

Welche Veränderungen in Sachen Streaming sind für die neue Spielzeit geplant? Wo wird der Hebel angesetzt? Gibt es auch Überlegungen, einzelne Spieler auf SETV oder anderen Plattformen herauszuheben?

Rudorisch: "Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Akustik: Wir wollen die einzigartige Atmosphäre und die Emotionen aus unseren Arenen noch unverfälschter und dynamischer in die Wohnzimmer transportieren. Gleichzeitig standardisieren wir die redaktionellen Abläufe weiter. Um die Weiterentwicklung unserer Medienformate strategisch voranzutreiben, haben wir die Ligageschäftsstelle personell mit Robert Grafe verstärkt. Als ausgewiesener Fachmann steuert er den gesamten Bewegtbildbereich und damit weitere reichweitensteigernde Maßnahmen. Darüber hinaus prüfen wir kontinuierlich Möglichkeiten für frei zugängliche Formate oder ein wöchentliches Topspiel auf reichweitenstarken anderen Plattformen, um neue Zielgruppen für die DEL2 zu gewinnen. Bisher aben wir dazu aber noch nicht den passenden Partner gefunden."

Die Zahl der Bewerber für den Aufstieg zur PENNY DEL ist konstant geblieben. Wie bewerten Sie die Anzahl von sechs Kandidaten und an welche Standorten sehen Sie das Potenzial, diese Zahl zeitnah weiter aufzustocken?

Rudorisch: "Dass sich sechs von 14 Clubs fristgerecht für die höchste Spielklasse beworben haben, ist ein klares Gütesiegel für die sportliche Leistungsdichte und die wirtschaftliche Solidität unserer Liga. Das hält den Wettbewerb an der Tabellenspitze bis zum letzten Playoff-Spiel extrem hoch. Zudem verfügen wir mit Standorten wie Bietigheim oder Regensburg über weitere Clubs mit erstklassigen Hallen und großem Potenzial, die in absehbarer Zeit ebenfalls Ambitionen für das Oberhaus anmelden können. Wenn über die Hälfte der Liga die Voraussetzungen für den Aufstieg anstrebt, beweist das die enorme Stärke unseres Ligensystems."

Kurz zum Thema Disziplinarwesen: Zehnmal hat die Liga im Saisonverlauf 2025/26 nachträglich Verfahren eingeleitet, acht davon zogen auch vor dem Disziplinarausschuss von PENNY DEL und DEL2 eine Sperre nach sich. Ein Zeichen dafür, dass sich dieser neue Weg bewiesen hat für Fälle, die den Offiziellen im Spielverlauf durchgerutscht sind?

Rudorisch: "Das System hat sich vollumfänglich bewährt. Wie in der PENNY DEL setzen wir damit ein unmissverständliches Zeichen für den Schutz der Spielergesundheit und für absolutes Fair Play: Ein unsportliches oder gefährliches Vergehen bleibt nicht ungeahndet, nur weil es im schnellen Spielgeschehen auf dem Eis verborgen blieb. Mein besonderer Dank gilt Stefan Vogl, der das DOPS-Reviewer-Team mit herausragender Fachkompetenz führt und die fundierte Auswertung für die Ligaleitung gewährleistet. Wir werden diese videoanalytischen Prozesse weiter verfeinern und das System als festen Pfeiler für die Integrität unserer Spiele fortführen."

Das Nachhaltigkeitsprogramm der DEL2 geht 2026/27 ins zweite Jahr: Was kommt auf die Clubs zu, welche Aktionen sind geplant?

Rudorisch: "Nach der erfolgreichen Premiere in der letzten Saison werden wir das DEL2-Nachhaltigkeitswochenende Anfang 2027 auch wieder fest im Spielplan verankern, um als Profisport ein klares gesellschaftliches Signal zu setzen. Gleichzeitig starten wir in die zweite Auswertungsphase unseres Kriterienkatalogs. Alle Clubs haben das Thema im ersten Jahr mit großem Ernst und Engagement angenommen. Unter der Leitung von Lukas Haack werden wir die Anforderungen nun gezielt vertiefen und quantifizieren. Unser Anspruch bleibt partnerschaftlich: Wir befähigen die ausgebildeten Nachhaltigkeitsbeauftragten an den Standorten und treiben ökologische, ökonomischen wie soziale Verantwortung im Eishockeysport Schritt für Schritt gemeinsam voran."

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