Bad Nauheims Coach Petri Kujala: „Es ist ein schöner Arbeitsplatz“
DEL-2.org im Gespräch mit Petri Kujala
Petri Kujala lebt seit mittlerweile 20 Jahren in Deutschland. Der 45-Jährige wurde in seinem Geburtsland Finnland 1990 Eishockey-Profi und wechselte nach den Stationen FPS Forssa, JYP Jyväskylä und Diskos Jyväskylä und zum EHC Neuwied in die damalige 1. Bundesliga Nord. DEL-Erfahrung sammelte der Stürmer auch bei den Moskitos Essen und den Berlin Capitals. Seine beiden letzten Jahre als aktiver Eishockey-Profi verbrachte Petri Kujala beim EV Ravensburg. Dort wurde er Jugendtrainer und leitete von 2012 bis 2014 auch die Profimannschaft. Seit Sommer 2014 hat Kujala die sportliche Verantwortung beim EC Bad Nauheim.
Petri Kujala, Sie sind jetzt im vierten Jahr als Profi-Trainer tätig. Sie sehen noch aus, als ob Sie jederzeit wieder auf dem Eis mitmischen können. Wie viel vom Spieler Petri Kujala ist noch da?
Sagen wir es mal so: Je weiter man sich zeitlich von seiner eigenen Karriere entfernt, desto lebendiger werden die Erinnerungen. Da erzählt man mal wieder die eine oder andere alte Geschichte.
War der Trainer-Beruf für Sie die logische Fortsetzung ihrer Tätigkeit im Eishockey?
Ich wollte im Eishockey bleiben, aber den Trainerberuf hatte ich eigentlich nicht im Auge. Ich bin da reingerutscht. Aber, wie es hier so schön heißt, kommt der Appetit auch beim Essen.
Sie sind 2014 von Ravensburg nach Bad Nauheim gekommen. Im Frühjahr hat Ihr Team die Playoffs knapp verpasst, die Playdowns gegen Kaufbeuren aber erfolgreich bestritten. Welches Gesicht hat Ihr runderneuertes Team in den ersten 16 Spielen gezeigt?
Wir wollten eine aggressivere Mannschaft mit mehr Speed haben. Ich habe das Gefühl, dass wir eine entsprechende Mischung gefunden haben. Die Mentalität stimmt, das Team hat einen großen Siegeswillen, die erfahrenen Spieler sind sehr verantwortungsvoll und führen die jungen Spieler.
Das Team der vergangenen Saison hatte sehr gute Phasen, aber auch schlechte – und die zum falschen Zeitpunkt am Ende der Saison. Worauf haben Sie bei der Auswahl der Spieler für die neue Saison Wert gelegt?
Nicht nur die Verteidiger und die Goalies sind für die Defensive zuständig, sondern auch die Stürmer. Die Mannschaft sollte ein anderes Defensivverhalten zeigen und hat es bislang auch getan. Die Ergebnisse spiegeln das wider, wenn man als Beispiel nur das 1:0 gegen die Löwen Frankfurt nimmt. Zudem haben wir einen breiteren Kader als in der vergangenen Saison. Der Konkurrenzkampf im Team ist größer. Wenn man also nicht aufpasst, zieht jemand anderes an einem vorbei.
Zwei der neuen Zwei-Wege-Offensivkräfte sind Dustin Cameron, den sie noch aus Ravensburg kannten, und Nick Dineen. Dazu riefen Youngster wie Joel Keussen oder Jonas Gerstung bislang ihr Potenzial ab. Offenbar hatten Sie im Sommer das richtige Händchen.
Ich glaube, dass auch bei den Transfers immer ein wenig Glück dazugehört. Denn man weiß nie, ob die Spieler auch tatsächlich gut harmonieren.
In 11 der 16 Spiele hat die Mannschaft gepunktet. Wo sehen Sie noch Luft nach oben? Und welche Ziele haben Sie?
Es gibt noch einiges, was zu verbessern ist, beispielsweise das Powerplay. Wenn ich die vergangene Saison betrachte, wollen wir sicherlich die schlechten Tage minimieren. Wir hatten aber erst 16 Spiele. Es hat sich allerdings auch schon gezeigt, dass alle Clubs wieder sehr eng beieinanderliegen. Das ist natürlich toll für die Zuschauer, erfordert für die Spieler aber allerhöchste Konzentration über einen langen Zeitraum. Eine Unbekannte sind auch Verletzungen: Wie kann ein Team Ausfälle kompensieren?
Der EC Bad Nauheim ist ihre zweite Station als Trainer. Die Stimmung ist leidenschaftlich, kann aber zuweilen auch schnell kippen. Wie gehen Sie damit um?
Bad Nauheim ist eine Eishockey-Stadt. Die Fans bringen sehr viel Leidenschaft mit und peitschen die Mannschaft regelmäßig nach vorne. Kritische Fans gibt es aber an jedem Standort. Der Verein ist gut aufgestellt und wird professionell geführt. Es ist ein schöner Arbeitsplatz.