Benefiz: Die LA Icebreakers schlagen wieder zu
Spielen für den guten Zweck / Bereits 84.600€ gesammelt / Einmalig in Europas Eishockeylandschaft
Die Qualität der LA Icebreakers aus Landshut findet nicht auf dem Eis statt, sondern in der guten Tat. Immer wieder veranstaltet das Hobbyteam aus Bayern Benefiz-Aktionen und das mit beeindruckendem Erfolg. Bereits 84.600€ sammelte die Mannschaft seit der Gründung im Jahr 2013. Tausende Fans kommen, wenn die Icebreakers rufen und am Samstag den 27. Februar wird der Ruf erneut erhört werden. Im Eisstadion Landshut treffen die Hausherren dann um 18:00 Uhr auf das Sponsoren Team der Kassel Huskies. Der Spaß steht im Vordergrund und am Ende steht die Hilfe für Menschen, die unverschuldet in große Not geraten sind. Ein Besuch lohnt sich.
Eine Geschichte:
Wenn die Spieler der LA Icebreakers irgendwo auftauchen, klingelt entweder ein Handy oder man hört einen lockeren Spruch. „Hier kommen die schlechtesten Eishockeyspieler Deutschlands“, sagt Sven Wastian, als er an einem sonnigen Novembertag die Redaktionsräume betritt. 80 Prozent der Spieler hätten vor zwei Jahren noch nicht einmal Schlittschuhlaufen können. Und Kollege Helmut fügt hinzu: „Das ist Grundvoraussetzung, um bei uns zu spielen.“ Alle lachen. Wie meistens.
Sie werden sich jetzt fragen, warum man um solche Spieler, die ihr Niveau selbst eher gering einschätzen, ein so großes Aufsehen macht. Weil die LA Icebreakers etwas schaffen, was in Deutschland sonst kein Hobbyteam schafft. Sie locken Tausende Fans zu ihren Spielen – Benefizspielen, in denen sie für unverschuldet in Not geratene Menschen aus der Region Landshut Geld sammeln. Und das mit allen möglichen Mitteln. Daher auch das Handy klingeln. „Denn so ein Spiel fordert ein Jahr Vorbereitung“, sagt Wastian, schaut aufs Telefon und meint: „Ruf ich später zurück.“
Aus der Hobbytruppe, die 2013 ganz spontan in der Drittelpause des Spiels zwischen dem EV Landshut und dem ESV Kaufbeuren entstand (zu Zeiten als Jürgen Rumrich noch beim EVL war – das betonen sie immer wieder, denn er habe ihnen viel Türen geöffnet) und aus rund 30 Aktiven und 35 Ehren-Icebreakern besteht, ist so etwas wie d a s Benefizeishockeyteam Deutschlands geworden. Die meisten sind begeisterte EVL-Fans, sind als Sponsoren engagiert oder haben eigene Firmen. Für besonders ausgefallene Ideen waren sie schon immer zu haben. So wurde vor dem ersten Benefizspiel gegen Gündlkofen, ein Ort knapp zehn Kilometer von Landshut entfernt, mal um ein kleines Mon Cheri gewettet, dass 1.000 Zuschauer kommen. Glaubt man kaum, ist aber wahr – das mit den 1.000 Zuschauern. „Auch das mit dem Mon Cheri“, lacht Wastian. 3.500 Euro wurden für das Mütterzentrum Landshut gespendet.
Oder wie wäre es mit unserer Sommeraktion? Vor zwei Jahren schickte ein nun Ex-Icebreaker ein Bild von sich mit Goalieausrüstung im Pool an unsere Redaktion. Klappt das noch einmal, fragte der Autor dieser Zeilen? „Klar. Machen wir, wir lassen uns was einfallen“, sagte Wastian im Sommer, schnappte sich sein Team, das sich wiederum die eigene Ausrüstung schnappte und ins Landshuter Stadtbad zum Fotoshooting fuhr. Herausgekommen ist unter anderem obige Poolszene. „Normal geht mit diesen Jung sohnehin nicht“, sagt Paparella, Inhaber ein einer Werbeagentur und der Fotograf der Icebrakers. Die Spieler hatten „Spaß ohne Ende“, die anderen Badegäste fragten sich während des fast dreistündigen Shootings was los sei. Netter Nebeneffekt: Die Ausrüstung wurde wieder mal gewaschen...
Das Foto war der Anlass, warum die Icebreakers in dieser Jahreschronik im Juli erscheinen. Aber sie hätten auch in vielen anderen Monaten erscheinen können. Im Februar beispielsweise. Da lockten die Icebreakers 3.500 Fans ins Stadion an den Gutenbergweg und spendeten später 41.100 Euro an den Verein „Stille Hilfe e.V.“ Oder im August, September Oktober und November. In dieser Zeit bauten die Spieler in Eigenregie einen Anbau für die schwerst behinderte Lea (2). „Wir haben den Aufruf bei Radio Trausnitz gehört und uns spontan entschlossen, da zu helfen“, sagt Wastian. „Viele von uns sind Selbstständige,haben das Material geliefert oder selbst mitgearbeitet.“ Das Ganze hat einen Wert von 40.000 bis 45.000 Euro. Die Trauer war groß, als die Kleine plötzlich am 23. November verstarb.
Es brauche Ideengeber, einen Kopf und Kraft, sagt Wastian auf die Frage, wie solche Unternehmen zustande kommen. Der Kopf ist Wastian, bei dem während des Treffens in der Redaktion nun schon zum zweiten Mal das Handy klingelt. „Da muss ich jetzt dann echt zurückrufen“. meint er. „Ein Dauerjob ist das schon, aber es macht Spaß“, sagt der Inhaber einer Zimmerei, der das Wort „Kopf“ im Zusammenhang mit seiner Person aber nicht gerne hört. „Unser Konzept hat uns viel geholfen. Wir sind mehr als 30 Aktive. Jeder kennt irgendwo irgendwen. Jeder kann Firmen ansprechen, die helfen.“ Und die helfen auch – ob mit Material wie beim Anbau für Lea oder mit Spenden beim Benefizspiel. „Die ganze Mannschaft überlegt sich etwas, sorgt dafür, dass die Spiele ein schöner Abend für die Zuschauer werden“, ergänzt Paparella.
Wichtig ist ihnen der Kontakt und die Hilfe in der Region: „Man hört gerade vor Weihnachten von so vielen Spendenaktionen, die Gelder für die ganze Welt sammeln“, fährt der Fotograf fort. „Aber wer denkt an die Menschen in unserer Region?“ Wichtig sei auch, dass „das Geld eins zu eins weitergegeben wird“. Keine extra Kosten, die werden alle vorher gedeckt. Dafür dürfen sich Firmen bei den Spielen präsentieren.
Bei den vielen Spenden kommt aber auch das Sportliche nicht zu kurz. „Eineinhalb mal pro Woche trainieren wir“, verklausuliert Wastian etwas. Eineinhalb mal? Was das genau bedeutet, wissen wohl nur die Icebreakers, die sich Anfang November endlich über ihren ersten Sieg freuen durften. Denn alle Freundschaftsspiele und auch die beiden Benefizspiele (2015 gegen die EisDeife Rosenheim) waren bisher verloren gegangen. Es war ein 6:3 gegen die Icedevils Landshut – endlich ein Erfolg.
Auch das „Hinspiel“ gegen das Kassel Huskies Sponsorenteam ging vor einigen Wochen verloren. Allerdings nur knapp mit 2:3. Das habe sich aber schon fast wie ein Sieg angefühlt. Und es hat auch den Fans gefallen, denn die Icebreakers reisten standesgemäß mit Fanclub und Trommler nach Kassel, um sich den Gegner anzusehen, gegen den am 27. Februar 2016 im neuen Benefizspiel gespielt wird. „Die haben dort ganz schön geschaut, als wir aus dem Bus ausgestiegen sind“, lacht Wastian. Icebreakers eben. „Aber auch die Kassler haben von Anfang an verstanden, worum es uns geht. „Gemeinsam Gutes tun.“ Das ist nicht nur eine schön klingende Floskel, sondern eine Berufung für die Landshuter. „Vielleicht gibt es ja mal eine Liga mit Teams wie uns.“ Es gebe ja auch die Feuerwehreishockey-Liga. Auch so etwas könnte das erste Benefizeishockey-Team Landshuts wohl auf die Beine stellen.
Das Handy klingelt zum dritten Mal, als das Interview in der Redaktion fast zu Ende ist. „Jetzt aber bitte rangehen“, sagt der Redakteur. Das macht Wastian dann auch. Schließlich ist ein Benefizspiel zu organisieren. Und der Anrufer hat genau damit zu tun.
Quelle: Eishockey News