Die „große Leere“ bei den Viertelfinal-Verlierern
Enttäuschung, aber auch Stolz in Dresden, Rosenheim und Ravensburg / Landshut kann gegen Kassel am Sonntag alles klar machen
Sie waren mit Elan, Mut und großen Hoffnungen in das Playoff-Viertelfinale gegangen. Doch nach nur einer Woche ist die Saison für die Dresdner Eislöwen, Starbulls Rosenheim und Ravensburg Towerstars beendet. Die drei „Außenseiter“ hatten ihre Serien gegen die Topteams der DEL2 nach Spielen glatt mit 0:4 verloren. „Aktuell spüre ich eine große Leere, aber auch die wird vergehen“, sagte Dresdens Coach Thomas Popiesch.
Die Eislöwen hatten als Vorrunden-Zehnter gegen den dicksten Brocken den Kürzeren gezogen. Aber die Sachsen hätten mit etwas mehr Glück auch drei der vier Spiele gegen Hauptrundenmeister Bietigheim Steelers gewinnen können. Spiel 1 und 2 verlor Dresden mit 1:2 nach Verlängerung, ein schwaches erstes Drittel entschied Spiel 3 (0:5), und am Freitag führte man nach 40 Minuten 3:0 (!) – und verlor 3:4 nach Verlängerung. „Wir können stolz auf unsere Eislöwen sein und erhobenen Hauptes aus der Serie gehen. Allerdings ist es uns wieder nicht gelungen, einen Weg zu finden, um das Spiel für uns zu entscheiden. Diese Qualität besitzen die Steelers“, sagte Popiesch.
Bietigheims Coach Kevin Gaudet war richtig sauer, weil seine Mannschaft „streckenweise grottenschlecht“ gespielt habe. Für den Gegner hatte er nur lobende Worte. „Eishockeyspieler haben Stolz, und wir haben gewusst, dass Dresden alles geben wird. Dresden hat heute die beste Leistung der Serie gezeigt“, sagte Gaudet. Dafür konnten sich Trainer und Spieler des Verlierers natürlich wie immer nichts kaufen. Doch der eine oder andere war auch stolz. „Wenn man ehrlich ist, hat wahrscheinlich kaum jemand erwartet, dass wir Bietigheim in dieser Form Paroli bieten können. Umso bitterer ist natürlich das Endergebnis“, sagte Stürmer Carsten Gosdeck, und Kollege Lukas Slavetinsky erklärte: „Letztlich war vielleicht die Erfahrung der ausschlaggebende Punkt. Aber aus Rückschlägen lernt man bekanntlich am meisten.“
Ein ähnlich hartes Aus ereilte Rosenheim. Gegen Meister Bremerhaven verlor die Mannschaft von Trainer Franz Steer die ersten drei Spiele mit jeweils 2:3 nach Verlängerung. Und am Sonntag hatte man alle Fäden nach einer 3:1-Führung in der Hand – und verlor dennoch 3:4. Pinguin Brendan Cook brachte die Starbulls mit insgesamt drei Powerplay-Toren zur Verzweiflung. Das 2:3 fiel neun Sekunden vor der zweiten Pause. “Der Knackpunkt war der Anschlusstreffer”, sagte Steer. Das ganze Selbstvertrauen schien bei den Gastgebern dahin. Bremerhaven machte Druck und drehte das Spiel. "Das war ein hartes Stück Arbeit. Rosenheim hat uns alles abverlangt. Die Starbulls waren besser als das 4:0“, sagte Meistercoach Mike Stewart. Der Kanadier wusste aber auch, dass diese Siege mehr wert sind als jedes 6:0. Das Selbstvertrauen seiner Spieler dürfte grenzenlos sein. Denen wurde auf der Rückfahrt natürlich das Sieger-Bier gewährt – mehr aber auch nicht. „Zeit zum Ausruhen bleibt nicht, da wir noch nichts erreicht haben!", sagte Stewart. In Rosenheim hatte man ab Samstag Zeit, wenn auch ungewollt. Für Trainer Franz Steer ging es aber weiter. Der Blick richtete sich dabei bereits auf die kommende Saison und die Veränderungen im Kader. “Ich hab schon meine Vorstellung, wer bleiben soll und wer nicht, dazu kann ich jetzt aber noch nichts sagen”, erklärte Steer.
Veränderungen gibt es bei allen Clubs nach Saisonende. Auch bei den Ravensburg Towerstars wird es nach dem enttäuschenden Sweep gegen Aufsteiger Löwen Frankfurt nicht anders sein. Am Freitag bot man beim entscheidenden 2:5 gegen die Hessen eine anständige Leistung, dennoch reichte es wie in den drei Spielen zuvor (2:4, 2:7, 1:4) nicht. „Wir waren auch heute nochmals nahe dran und haben alles versucht, doch letztlich haben wir uns an der gegnerischen Defensive die Zähne ausgebissen“, sagte Towerstars-Trainer Daniel Naud und gratulierte seinem Frankfurter Kollegen Tim Kehler zum Einzug ins Halbfinale. „Die Serie war sicherlich enger, als man das auf den ersten Blick denken würde. Drei der vier Spiele hätten auch in die andere Richtung hätten kippen können“, sagte Kehler. In der Tat ging Ravensburg in den Spielen 1, 3 und 4 jeweils in Führung. Aber die zweitbeste Offensive der Liga (211 Tore) kam immer wieder zurück.
Der vierte Halbfinalist wird noch in der Serie zwischen dem Vorrunden-Dritten Kassel Huskies und dem –Sechsten EV Landshut ermittelt. Der dramatische 3:2-Sieg nach Verlängerung am Freitag bescherte dem EVL eine 3:1-Führung in der Serie. Paul-John Fenton traf in der Overtime, nachdem Hauptrunden-Topscorer Mike Collins 40 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit sein Team mit einem verwandelten Penaltyshot in die Overtime gerettet hatte. „Die Mannschaft hatte den großen Willen, dieses Spiel zu ziehen. Über das gesamte Spiel ist der Sieg sicherlich verdient“, sagte EVL-Trainer Toni Krinner, dessen Team am Sonntag in Kassel den Sack zumachen und wie im Vorjahr ins Halbfinale einziehen kann. Der Gegner wäre dann Bietigheim.
Ähnlich sieht es in den Playdowns für die Eispiraten Crimmitschau aus. Die Mannschaft von Trainer Chris Lee feierte ein 6:0 in Heilbronn und führt 3:1 in der Serie mit den Falken. Mit einem vierten Erfolg am Sonntag wäre Urlaub angesagt. Mindestens sechs Spiele wird es zwischen dem ESV Kaufbeuren und dem EC Bad Nauheim geben. Die Joker gewannen am Freitagabend dank eines furiosen Schlussabschnitts mit 7:4 und glichen in der Serie mit den Kurstädtern zum 2:2 aus.