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Text: DEL2

Ein Bier war in Bietigheim erlaubt

Ein Bier war in Bietigheim erlaubt
DEL2

Schoch: „Wir freuen uns über den ersten Platz“ / Spannung hochhalten / Mehr Eiszeit für zweite Garde, Entspannung für Wrigley / Dresden fehlt „geistige Frische“

Purzelbäume wurden am Sonntag in Bietigheim nicht geschlagen. Dennoch war man bei den Steelers (Foto: Trainer Kevin Gaudet - City Press) äußerst zufrieden, dass eine bislang so außergewöhnliche Saison in der DEL2 mit dem vorzeitigen Gewinn der Hauptrunden-Meisterschaft gekrönt wurde. Dass dies ein Titel ohne Wert sein kann, machte man aber auch klar. „In den Playoffs wird ganz anderes Eishockey gespielt“, sagte Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch. Während man beim Vizemeister lediglich die Spannung hochhalten muss, kämpfen noch zehn Mannschaften um die Playoffs und die besten Positionen. Unter großem Druck stehen die Eislöwen Dresden, die nach vier Auswärtsniederlagen in Folge auf den elften Rang abgerutscht sind.

Einen Anlass zum Feiern sah man in Bietigheim nicht. Auch hatte man es nicht mit guten Vorzeichen. „Von Omen halten wir nichts“, sagte Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch am Montag. Trotz des 4:5 nach Penaltyschießen gegen die Starbulls Rosenheim standen die Steelers am Sonntagabend sechs Spieltage vor dem Ende als Hauptrunden-Meister fest. Das garantiert Bietigheim in den Playoffs Heimrecht, auch in einer Final-Serie. „Das Bier war natürlich erlaubt“, sagte Schoch. Seit dem 6. Spieltag standen die Steelers an der Tabellenspitze und bauten die Führung kontinuierlich aus. 23 Punkte sind es nun vor den verbleibenden Spielen.


In den vergangenen zwei Jahren holte der Hauptrunden-Erste auch den Titel. 2013 wurde Bietigheim Meister, 2014 die Fischtown Pinguins, die sich in der Finalserie gegen Bietigheim durchsetzten. Trainer Kevin Gaudet will für die entscheidende Saisonphase die Spannung hochhalten. Das sei man den Zuschauern schuldig, sagte der Geschäftsführer, und man wolle weiter „Werbung für das Eishockey machen“. Dass die Topkräfte ein wenig Zeit zum Luftholen bekommen, versteht sich von selbst. In dem „harmonischen Gebilde“, wie Schoch die Mannschaft einmal beschrieb, werde die zweite Garde nun ein wenig mehr Eiszeit bekommen. Topscorer David Wrigley zum Beispiel werde nun seine leichte Blessur auskurieren, um für die Playoffs fit zu sein.

In Bietigheim wurde im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, die der Konsolidierungskurs zulässt, eine Personalpolitik mit Auge gemacht. So wurde der Kader in der Zeit um Weihnachten, in der die Steelers wegen zahlreicher angeschlagener Spieler vier knappe Niederlagen in Folge einstecken mussten, nicht aufgestockt. „Es wurden keine Panikkäufe gemacht“, sagte Schoch. Stattdessen wurde gezielt in die Breite des Kaders investiert. Der Transfer von Frederik Cabana aus Hamburg sorgte zunächst für Stirnrunzeln im Umfeld, doch die Kritiker wurden wiederlegt. Der Stürmer konnte sich zunächst „erholen“ und fügte sich dann als wertvolle Ergänzung in den Kader ein. Der hat außergewöhnliche Qualität, die einigen Zahlen belegt werden kann. Topscorer ist Wrigley (73 Punkte), seine Kollegen Matt McKnight (67) und Robin Just (60) folgen auf den Plätze drei und vier. Der beste Offensiv-Output (198 Tore) und die drittbeste Defensive (126 Gegentore) runden das Bild ab.

Nach Meisterschaft, Vizemeisterschaft und einer derartig souveränen Hauptrunde wäre alles andere als ein entsprechendes Auftreten in den Playoffs eine Enttäuschung. Volker Schoch sprach aber vorsichtig von Wünschen. Schließlich gäbe es Einflussfaktoren. „Zum Beispiel dumme Verletzungen und dumme Strafen“, sagte Schoch. Aber überzeugt sei er vom Charakter der Mannschaft: Das sind Gewinnertypen. Den Druck macht sich die Mannschaft selbst.“ Lob erhielt das Team auch von DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch. „Kevin Gaudet und sein Team haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet. Es kein Wunder, dass der Hauptrunden-Sieger so zeitig wie selten zuvor feststeht“, sagte er.

Rudorisch sieht aber bis zum 52. Spieltag „Hochspannung. Alle weiteren Plätze sind hart umkämpft." Selbst der Tabellenelfte Dresden kann noch mit neuem Schwung die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale schaffen. Der Rückstand beträgt fünf Punkte. Aber die Mannschaft von Trainer Thomas Popiesch hat auf der Zielgeraden der Hauptrunde einen richtigen Hänger. Die ersten vier der insgesamt fünf Auswärtsspiele haben die Eislöwen verloren. „Uns hat es an Kraft, Spritzigkeit und auch geistiger Frische gefehlt. Eine Ursache dafür ist sicher die erneut lange Anreise, aber das darf keine Entschuldigung sein“, sagte Eislöwen-Trainer Thomas Popiesch nach dem 2:5 in Ravensburg.

Es muss eine Wende her. Zu Gast ist man am Freitag – in Bietigheim.

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