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Im Gespräch mit… Manfred Meier: 1.000x ESV Kaufbeuren
26.11.2025Bild: Thomas Schreiber/Kreisbote

Im Gespräch mit… Manfred Meier: 1.000x ESV Kaufbeuren

Mannschaftsleiter des ESV Kaufbeuren steht vor 1.000stem Spiel an der Bande.

Der Fels in der Brandung. Das ist Manfred Meier. Der Mannschaftsleiter des ESV Kaufbeuren hat bereits jede Menge Höhen und Tiefen „seiner“ Joker miterlebt. Auch die aktuell stürmische Zeit bringt den 54-Jährigen nicht aus der Ruhe.

Am kommenden Freitag steht er in seinem 1.000sten Spiel an der Bande der Allgäuer. Vor seinem Jubiläum spricht er im Interview über seine Anfänge in Kaufbeuren, seine Aufgaben - und wie sie sich über die Jahre verändert haben -, und gibt ein paar witzige (und schmerzhafte) Anekdoten preis.

Manfred, du stehst am Freitag für dein 1.000. Pflichtspiel an der Bande des ESV Kaufbeuren. Lass uns zurückblicken: Wie haben deine Anfänge im Sport ausgesehen und was hat dich damals überhaupt zum Eishockey gebracht?

Manfred Meier: „In der Mitte der 1980er Jahre verteilte der ESVK Freikarten an Kaufbeurer Schulen. Und so kam ich zu meinem ersten Heimspiel. Von der ersten Sekunde an war ich von den ESVK-Legenden wie Pavel Richter, Karel Holy, Dieter Medicus oder Manfred Schuster und der atemberaubenden Atmosphäre im alt-ehrwürdigen Eisstadion am Berliner Platz geflasht. Von diesem Zeitpunkt an verpasste ich kein Heimspiel mehr. Aber irgendwann wollte ich mehr und so trat ich 1989 einem frisch gegründeten ESVK- Fanclub bei. Von nun an war ich auch in anderen Eisstadien Deutschlands mit dabei. Noch im selben Jahr wollte ich meinem ESVK noch näher sein und so wurde ich Mitglied beim ESVK- Kampfgericht.“

Welche Aufgaben hattest du zu Beginn deiner Zeit beim ESV Kaufbeuren und wie sehr hat sich der Job des Teambetreuers seitdem verändert?

Meier: „Nach vielen Jahren als Fan und normales Mitglied beim Kampfgericht habe ich diese Abteilung des ESVK dann als Leiter angeführt. Als meine Kinder dann auch mit dem Eishockeyspielen angefangen haben wurde schnell klar, dass ich auch als Betreuer im Nachwuchsbereich des ESVK arbeiten wollte. Und so wurde ich zum Schlittschuhbinder bei den Kleinsten. Im Aufstiegsjahr zur 2. Bundesliga der Profimannschaft 2008 kam dann die Anfrage, ob ich mir den Job als Teambetreuer vorstellen könnte. Später kamen dann noch die Aufgaben des Mannschaftsleiters dazu. Tja und so mache ich jetzt nach 17 Jahren mein 1000. Pflichtspiel für meinen Herzensverein. Im Laufe dieser Zeit sind die Anforderungen an das Team der Betreuer - neudeutsch: Equipmentmanager - anspruchsvoller geworden. Profi- Handschuhtrockner, mobile Küchen, Schleifmaschinen, sofort einsatzfähige Ersatzeisen für jeden Spieler zum schnellmöglichen Wechsel noch während des Spiels, und vieles mehr sind mittlerweile Standard - auch bei jedem Auswärtsspiel.“

Welche Aufgaben gehören zu deinem Alltag, mit denen Außenstehende vielleicht gar nicht rechnen würden?

Meier: „Für mich ist das Zwischenmenschliche immer ein wichtiger Bestandteil meiner Aufgaben. Den Spielern bei privaten Problemen auch mal zuhören, Tipps geben für mögliche Anlaufstellen in der Stadt, auf das Spielerhandy während des Spiels aufpassen, weil die Ehefrau oder Freundin hochschwanger zu Hause sitzt... Und wenn die Spieler mich als ‚Ersatzpapa‘ bezeichnen, dann scheint diese Art von Betreuen wohl gut anzukommen.“

Über so viele Jahre sammelt sich einiges an Geschichten an: Gibt es eine Anekdote aus all den Jahren, die du bis heute gerne erzählst?

Meier: „Vor einigen Jahren hätten wir beinahe einen Spieler auf einem Autohof vergessen. Er war unbemerkt kurz vor der Weiterfahrt noch auf die Toilette gegangen. Wir waren schon kurz vor der Autobahnauffahrt als mein Handy klingelte... Naja, umdrehen und den Burschen einladen... Das Gelächter war groß. Seither passe ich noch besser auf...“

Wir sind ja unter uns… Gab oder gibt es einen Spieler, der eine ganz spezielle Eigenart oder Anforderung an dich hatte oder hat?

Meier: „Wenn John Lammers zum Warm-up aufs Eis lief, musste ich ihm den ersten Puck von der Spielerbank aus zuwerfen, er hat ihn angenommen und dann im Torwinkel versenkt. Anschließend fuhr er zu mir an die Bank zum Abklatschen. Das muss aber unter uns bleiben...“

Wie oft hast du schon schmerzhafte Bekanntschaft mit Pucks gemacht?

Meier: „Körpertreffer und die anschließenden blauen Flecken kommen immer wieder mal vor. Eine Platzwunde über einer Augenbraue, die mit fünf Stichen genäht werden musste, war in all den Jahren, Gott sei Dank, das Schlimmste.“

1.000 Spiele bedeuten auch 1.000 verschiedene Emotionen. Welche Momente mit dem Team genießt du persönlich am meisten?

Meier: „Wenn unsere sensationellen Fans in der Heimkurve der energie- schwaben-arena unsere Spieler nach einem großartigen Sieg feiern. Es gibt nichts Schöneres!“

Zum Abschluss: Wenn du mit Blick auf die kommenden Jahre einen Wunsch für deine Arbeit oder den ESVK äußern dürftest, was würdest du dir wünschen?

Meier: „Folgende Schlagzeile: ESVK zum siebten Mal in Folge in den DEL2- Playoffs - Manni Meier feiert sein 1500. Pflichtspiel.“

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