In Ravensburg ist eines sicher: Es gibt keine sichere Führung
Towerstars drehen beim 6:3 zum zweiten Mal einen Drei-Tore-Rückstand - Stewart: „Doppelt Schmerzen“ / Füchse gehen die Spieler aus / Bietigheim rüstet mit Cabana auf
Spieler und Verantwortliche beim Meister Fischtown Pinguins waren am Sonntagabend nach unwirklichen 60 Minuten Eishockey perplex. Etwas mehr als fünf Minuten hatte die in den letzten Wochen stark aufspielende Mannschaft von Trainer Mike Stewart benötigt, um eine scheinbar sichere 3:0-Führung bei den Ravensburg Towerstars herauszuschießen. Am Ende standen die Pinguins nach einem 3:6 mit leeren Händen da, weil nicht mehr als der Doppelpack von Björn Bombis und das Tor von Viktor Beck heraussprangen (Foto: Kim Enderle).
„Wir haben in diesem Spiel vieles richtig gemacht und auch zu Recht mit 3:0 geführt. Alles Schlechte danach haken wir ab“, sagte Stewart und ergänzte: „Diese Niederlage bereitet doppelt Schmerzen, da sie einfach unnötig war!" Die Pinguins verpassten den fünften Sieg in Folge und wurden bei ihrer Aufholjagd in der Liga gestoppt. Auch Ravensburgs Coach Daniel Naud gestand ein, dass sein Team am Sonntagabend zunächst nicht viel zu melden hatte. „Im ersten Drittel war das ein Klassenunterschied. Und wenn man nach zwei Minuten eine Auszeit nehmen muss, ist das für einen Trainer nicht glücklich“, sagte Naud. In der ersten Pause dann wurde der Coach offenbar noch ein wenig eindringlicher. „Wir haben zusammen mit den Zuschauern viel Moral und Kampf bewiesen und wollten das Spiel unbedingt gewinnen“, sagte Naud.
Mit einer etwas herzhafteren Gangart hatten die Gastgeber Erfolg. Und möglicherweise erinnerten sich einige Spieler auch an den 26. September. Da lag man gegen den Vizemeister und jetzigen souveränen Spitzenreiter Bietigheim Steelers mit 1:4 hinten – und gewann 6:4. Die Pinguins sind nach dem seltenen Einbruch weiterhin Elfter, haben aufgrund der Teilnahme am Continental Cup aber auch zwei Spiele weniger auf dem Konto. Für Ravensburg und die Towertars-Anhänger fand ein erfolgreiches Wochenende damit einen spektakulären Abschluss. Der Lohn dafür ist der vierte Tabellenplatz.
Vor den Towerstars rangieren zwei Teams, die sich ein Spitzenduell auf höchstem Niveau lieferten. Der zweite Lausitzer Füchse untermauerte die derzeit tolle Form mit einem 4:3 nach Verlängerung dank des Siegtores von Kevin Lavallee. Doch für den starken Aufsteiger aus Kassel sprang verdientermaßen etwas Zählbares heraus. „Die Mannschaft hat einen guten Lauf. Wir spielen robustes, gradliniges Eishockey. Das gefällt mir“, sagte Kassels Coach Rico Rossi. Zufrieden zeigte sich auch sein Kollege Dirk Rohrbach. Den machte aber die personelle Situation Sorgen, weil Danny Albrecht und Jens Heyer verletzt raus mussten. „Wir hatten im letzten Drittel nur noch 14 Feldspieler. Auf Dauer können wir das mit unserem kleinen Kader kaum wiederholen. Wir brauchen Leute zurück auf dem Eis“, sagte Rohrbach.
Von Verletzungssorgen können die Starbulls Rosenheim und der EV Landshut auch ein Liedchen singen. Dennoch lieferten sich die bayrischen Konkurrenten ein tolles Derby. Der EVL hatte das letzte Wort und drehte einen 1:3-Rückstand noch in ein 4:3. Damit steht die Mannschaft von Trainer Andreas Brockmann auf dem fünften Rang hinter Ravensburg - und vor den Starbulls (alle 35 Punkte). Rosenheims Trainer Franz Steer war natürlich weniger glücklich angesichts eines Wochenendes ohne Punkte inklusive eines 1:7 in Kassel, zeigte sich aber als fairer Sportsmann: „Landshut war cleverer und hat unsere Fehler eiskalt ausgenutzt.“
Die machen aber auch andere Mannschaften. Der SC Riessersee wurde nach zwei guten Dritteln vom Spitzenreiter Bietigheim bitter bestraft. Der Vizemeister traf beim 5:3 viermal im Schlussabschnitt. Die letzten 20 Minuten liegen der Mannschaft von Trainer Kevin Gaudet, insbesondere zuhause. Schon gegen Dresden machte man da alles klar. Und nun wurde der ohnehin schon ausgeglichene Kader nochmals verstärkt. Frederik Cabana, der zuletzt in der DEL in Hamburg spielte, wird demnächst das Training aufnehmen. „Ein Spieler dieses Formats kann jede Mannschaft verstärken und unterstützen. Er passt charakterlich in unser Team“, sagte Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch.
Am anderen Ende der Tabelle gab es für den ESV Kaufbeuren zwei Tage nach dem Befreiungsschlag in Garmisch wieder einen Dämpfer. Das 2:3 gegen die Eispiraten Crimmitschau war die 17 Niederlage in den vergangenen 18 Spielen und die erste für den neuen Coach Kari Rauhanen. „Wir haben uns viele Tormöglichkeiten erspielt, diese aber leider nicht oft genug genutzt. Insgesamt bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft aber zufrieden. Dazu hatten wir einen kleinen Kader und zwei Spieler, die mit Fieber gespielt haben", sagte Rauhanen, der vergangenen Donnerstag seine Arbeit aufgenommen hatte.
Der 23. DEL2-Spieltag (Freitag, 5. Dezember 2014):
Dresdner Eislöwen – Ravensburg Towerstars (19.30 Uhr)
Löwen Frankfurt – Kassel Huskies (19:30)
Bietigheim Steelers – ESV Kaufbeuren (19.30)
SC Riessersee – Lausitzer Füchse (20.00)
Heilbronner Falken – Starbulls Rosenheim (20.00)
Fischtown Pinguins – EV Landshut (20.00)
Eispiraten Crimmitschau – EC Bad Nauheim (20.00)
Der 24. DEL2-Spieltag (Sonntag, 7. Dezember 2014):
Starbulls Rosenheim – Löwen Frankfurt (17.00 Uhr)
Lausitzer Füchse – Bietigheim Steelers (17.00)
EV Landshut – Heilbronner Falken (17.00)
Kassel Huskies – Eispiraten Crimmitschau (17.00)
EC Bad Nauheim – Dresdner Eislöwen (18.30)
Ravensburg Towerstars – SC Riessersee (18.30)
ESV Kaufbeuren – Fischtown Pinguins (18.30)