Nach Halloween-Zinnober: Vier Derbys und ein Knaller
Kann Riessersee auch Rosenheim düpieren? / Wunden lecken bei den Pinguinen / Ende der Wohlfühl-Atmosphäre in Crimmitschau / MDR berichtet vom Sachsen-Duell
Der Spuk ist vorbei, die Dramatik bleibt: 48 Stunden nach dem Halloween-Zinnober dürfte es in den DEL2-Arenen erneut hoch her gehen. Besonders im Fokus stehen gleich vier Auseinandersetzungen mit Lokal-Kolorit: In Bayern die Derbys zwischen Spitzenreiter Rosenheim und Riessersee sowie Kaufbeuren und Landshut, der Schwaben-Hit zwischen Bietigheim und Heilbronn sowie die Sachsen-Meisterschaft zwischen Weißwasser und Crimmitschau. Während die Fischtown Pinguins in Bremerhaven die Ravensburger Towerstars zum (heißen) Tanz erwarten, macht Neuling Bad Nauheim unmittelbar nach dem knappen 3:2 gegen die Lausitzer Füchse erneut Bekanntschaft mit einem Team aus dem deutschen Osten.
Lausitzer Füchse - Eispiraten Crimmitschau (17.00 Uhr)
Derby mit doppelter Brisanz: Wenn sich in der neuen Eisarena von Weißwasser die Lausitzer Füchse und Crimmitschaus Eispiraten messen, geht es um mehr als nur die Sachsen-Meisterschaft. „Das gesamte Team - inklusive Trainer - hat es trotz vorhandenen Potentials bisher nicht geschafft, die Erwartungen zu erfüllen. Jeder Einzelne muss sich hinterfragen und eine Reaktion zu zeigen. Wenn wir die Wende nicht schaffen, ist mit Konsequenzen in alle Richtungen zu rechnen", kündigt Eispiraten-Geschäftsführer René Rudorisch das Ende der Wohlfühl-Atmosphäre bei den West-Sachsen an – und eine härtere Gangart! Verständlich: Gerade elf Zähler aus 16 Pflichtspielen bei 73 (!) Gegentoren sind eine erschreckende Bilanz. Nicht wirklich zufriedener ist man in der Lausitz. Zwar verfügen die Füchse derzeit über fünf Zähler mehr als ihr Kontrahent, doch auch das reicht gerade zu Rang elf – einen Platz vor Crimmitschau! Das erste Aufeinandertreffen dominierten die Füchse im Sahnpark von Crimmitschau mit 6:1. Zumindest lokaler Aufmerksamkeit darf sich das Derby gewiss sein: Der MDR wird bei „Sport im Osten“ (ab 16.30 Uhr) sowie im „Sachsen-Spiegel“ (ab 19.30) zusammenfassend berichten.
ESV Kaufbeuren - EVL Landshut (19.30)
Nach dem dramatischen 3:2-Overtime-Sieg in Bremerhaven will der Tabellen-Zweite Landshut im Allgäu nachlegen. Dabei steht den Niederbayern im Wortsinn das Derby-Fieber helfend zur Seite: Denn seit Donnerstag grassiert beim ESVK eine Grippewelle. Zudem fällt Verteidiger Näätänen (Gehirnerschütterung) im Team von Trainer Didi Hegen weiter aus. Bei den Dreihelmenstädtern fehlt Martin Davidek (Magen-Darm) ebenso wie Fabio Wagner (Knie). Dagegen hat sich Stephan Daschner (Knie) an der Nordsee durchgebissen und steht Trainer Jiri Ehrenberger zur Verfügung. Trotz vermeintlich klarer Ausgangslage bleibt Ehrenberger auf dem Teppich. „Kaufbeuren ist immer schwer zu spielen. Das war in den letzten Jahren so, daran wird sich auch in dieser Saison nichts ändern. Wir müssen von der ersten Minute an engagiert und konzentriert zu Werke gehen. Nur dann kann ein Auswärtserfolg gelingen“, sagt Ehrenberger, der auf alle Fälle mit mehr Gegenwehr als beim ersten Aufeinandertreffen rechnet: „So locker wie zuletzt beim 5:1 wird es bestimmt nicht werden."
Starbulls Rosenheim - SC Riessersee (19.30)
War das oberbayerische Duell der beiden Altmeister zuletzt immer eine eher einseitige Angelegenheit zu Gunsten der Starbulls – alle vier Partien der Vorsaison gewann Rosenheim – , ist diesmal Vorsicht geboten. Denn mit dem SC Riessersee kommt die Mannschaft der Stunde an die Mangfall. Die Werdenfelser gewannen zuletzt fünf Spiele in Folge, darunter überaus eindrucksvoll mit 5:0 bei Meister Bietigheim, und setzten sich damit in der oberen Tabellen-Hälfte fest. Keine Frage – Toni Krinner hat aus dem einstigen Underdog einen heißen Playoff-Kandidaten geformt. Logisch auch, dass Krinner in der aktuellen Situation gerade deshalb keine Euphorie aufkommen lassen will: „Rosenheim ist eine top besetzte Mannschaft mit der wir unter normalen Umständen nur schwer mithalten können. Wenn wir noch einmal alles abrufen, ist vielleicht eine Überraschung drin.“ Die Starbulls ihrerseits möchten den Platz an der Sonne nur zu gern über die Länderspielpause hinaus verteidigen. Zwar verlor das Team von Franz Steer zuletzt in Ravensburg, rettete aber wenigsten einen Zähler – und damit die Spitze. Klar, dass „Ober-Bulle“ Steer vor den Werdenfelsern warnt: „Sie sind sehr gut organisiert. Wir müssen unsere beste Leistung abrufen, wenn wir gewinnen wollen.“ Das erste Duell hatten die Innstädter in Garmisch knapp mit 1:0 für sich entschieden.
Bietigheim Steelers - Heilbronner Falken (19.30)
Rechtzeitig zum Derby scheinen beide Teams in die Erfolgsspur zurückzukehren: Derweil man bei den Steelers hofft, dass der Knoten nach dem 6:2 zuletzt gegen Crimmitschau endlich aufgegangen ist, glauben sich die Falken mit neuem Trainer und einem 2:1 in Kaufbeuren im Rücken im Aufwind. Auch wenn beide Kontrahenten sieben Plätze und 13 Punkte in der Tabelle trennen – das Schwaben-Derby ist immer für Überraschungen gut. Davon zeugt auch das knappe 3:2 der „Eisenmänner“ in der Käthchenstadt beim ersten Kräftemessen beider Mannschaften. Seit Interimstrainer Gerd Wittmann das Zepter des glücklosen Ken Latta übernommen hat, stehen die Falken vor allem hinten wieder sicherer. Im zweiten Derby gegen die Steelers können die Falken fast auf den gesamten Kader, abgesehen vom dauerverletzten Brady Leisenring, zurückgreifen. Da auch Bietigheim diesmal ohne Verletzungssorgen ist, können sich die Fans in der EgeTrans Arena auf eine heiße Partie gefasst machen.
EC Bad Nauheim - Dresdner Eislöwen (19.30)
Sechs-Punkte-Partie in der Wetterau: Denn die Hessen liegen mit einem Zähler weniger als die Sachsen auf Rang acht und damit gerade einen Platz hinter den Eislöwen. Beide Teams sind für ihr ebenso kampf- wie laufbetontes Spiel bekannt. Auch statistisch gesehen stehen sich Teufel und Eislöwen nahe: Je 50 Treffer zeugen von der Offensivkraft beider Mannschaften. Dagegen scheinen die Hessen mit 51 Gegentoren in der Defensive etwas anfälliger als die Sachsen (46). Dafür wiederum kommen die Special-Teams der Hessen im Powerplay mit einer Quote von 19,40% öfter zum Erfolg als die der Eislöwen (13,70%). Das Unterzahlspiel wird dagegen von beiden Mannschaften sehr kompakt geführt (Bad Nauheim 87,50%/Dresden 86,84%). Nicht unerwähnt soll bleiben, dass in der Wetterau die beiden Teams mit den wenigsten Strafzeiten aufeinandertreffen. Entsprechend respektvoll geht Eislöwen-Chef Thomas Popiesch die Partie an: „Nauheim spielt eine gute Saison, tritt sehr kompakt auf. Wir dürfen uns auf keinen Fall von den Fans beeindrucken und den Druck im eigenen Drittel zu groß werden lassen.“ In der ersten Partie gelang dies: Damals hieß es am Ende 3:2 für die Eislöwen.
Fischtown Pinguins - Ravensburg Towerstars (20.00)
Wunden lecken an der Unterweser: Nachdem den Pinguinen der bereits sicher geglaubte Overtime-Sieg in der Spitzenpartie gegen Landshut verwehrt blieb, gilt es für die Seestädter, die Schockstarre zu überwinden. Gern hätte Trainer Mike Stewart dabei auf Unterstützung aus seinem mittlerweile ansehnlich angewachsenen Lazarett zurückgegriffen, doch daraus wird nichts. Und so müssen die Pinguine auch gegen die Oberschwaben mit einem Minikader auskommen. Kampf soll die fehlende Substanz kompensieren und das Unmögliche möglich machen. Entsprechend optimistisch gibt sich Trainer Stewart: „Wenn wir unter regulären Bedingungen spielen können, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance, egal wie dezimiert wir sind!“ Ebenso motiviert sind die Towerstars, die die Pinguine dank eines 3:2 zuletzt gegen Rosenheim in der Tabelle überflügelten. Zu gern würden die Schwaben zeigen, dass auch in der Fremde (wieder) mit ihnen zu rechnen ist. Das gelang zuletzt am 27. September, seither holten die Towerstars gerade eine mageren Punkt auf gegnerischem Eis. Im ersten Duell hatten sich die Towerstars hauchdünn mit 2:1 behauptet.
Der 17. DEL2-Spieltag im Überblick:
Lausitzer Füchse - Eispiraten Crimmitschau (17.00 Uhr)
ESV Kaufbeuren - EVL Landshut (19.30)
Starbulls Rosenheim - SC Riessersee (19.30)
Bietigheim Steelers- Heilbronner Falken (19.30)
EC Bad Nauheim - Dresdner Eislöwen (19.30)
Fischtown Pinguins - Ravensburg Towerstars (20.00)