„Wir sind stolz Teil dieses Vereins zu sein“
In dieser Saison gehen zwei nordamerikanische Spieler für den ESV Kaufbeuren in der DEL 2 auf Punktejagd, der Kanadier Maury Edwards und der US-Amerikaner Stephen Schultz. Für beide ist es die erste Saison in Europa. Mit der Empfehlung von je 27 Toren und Vorlagen kam der 25 jährige Schultz nach Kaufbeuren. Wie Schultz spielte auch Edwards letzte Saison in der ECHL. Im Allgäu fühlen sich beide nun sehr wohl. Dies zeigt sich auch in ihren Leistungen wieder. Grund genug, die zwei sympathischen Jungs aus Übersee näher vorzustellen.
Hallo ihr Zwei. Wie gefällt es euch bislang hier in Kaufbeuren und dem Allgäu? Habt ihr euch schon gut eingelebt?
Stephen Schultz: Servus. Mir gefällt es hier sehr gut. Die Gegend hier ist schön, vor allem die Nähe zu den Alpen. Wir nahmen auch schon die Gelegenheit wahr, uns vor den Trainingseinheiten in Füssen das Schloss Neuschwanstein anzusehen. Es ist hier schöner, als ich jemals damit gerechnet hätte.
Maury Edwards: Auch ich finde es ausgezeichnet hier. Die Kultur und die bayerische Lebensart gefallen mir. Wie Stephen schon sagte, wir konnten auch schon ein bisschen die Landschaft sehen.
Wie wir erfahren haben, ward ihr auch schon auf dem Oktoberfest.
Maury Edwards: Ja, genau. Ich konnte die Lederhose von einem Mitspieler ausleihen. Dann fiel ich auch nicht so auf (lacht). Es hat jede Menge Spaß gemacht in München.
Stephen Schultz: Das war echt sehr lustig. Es war definitiv ein interessantes Erlebnis. Vom Oktoberfest redet ja in Übersee auch jeder, da will man einfach mal hin. Es hat Spaß gemacht, das einmal zu erleben. Und eine Lederhose hatte ich auch an.
Wie seid ihr überhaupt zum Eishockey gekommen?
Maury Edwards: Bei uns in Kanada spielt jeder Eishockey. Es gehört einfach dazu. Sobald es geht, ist man von Kindesbeinen an auf einer der vielen Eisflächen in der Nähe und es geht los. Am Thema Eishockey ist bei uns nahezu kein Vorbeikommen. So war es auch bei mir.
Stephen Schultz: Bei mir war das ein bisschen anders. In den USA ist Hockey nicht der Volkssport Nummer eins. Ich kam mit drei Jahren das erste Mal auf das Eis und habe es sofort geliebt. Und nun versuche ich so lange zu spielen, wie ich eben kann.
Die Rückkehr ins eigene Stadion und die Spiele gegen Dresden und Bietigheim – wie war das für euch?
Stephen Schultz: Es war super für uns Spieler. Es wird von den Fans andauernd gesungen und etwas gerufen, dazu die Trommeln, es ist wirklich eine großartige Atmosphäre. Das ist die beste Unterstützung von den Fans, die ich je hatte.
Maury Edwards: Die Fans hier in Kaufbeuren sind wirklich sehr laut! Das hilft uns sehr und ist ein riesiger Ansporn. Auch in den vielen Auswärtspartien bisher waren immer Fans mitgereist, die uns unterstützt haben, egal wie weit es war, das war wirklich beeindruckend.
Wie war für euch rückblickend die Situation ohne eigenes Stadion? Ihr habt euch ja trotz dieses Mankos für den ESVK entschieden?
Maury Edwards: Das war zunächst schon ein bisschen schwierig. Wenn man so will, war es eine Situation wie im Nachwuchs Eishockey. Du nimmst deine Sachen mit nach Hause und trocknest sie dort. Irgendwann hatten wir dann aber doch noch die Möglichkeit, die Sachen in einer Kabine zu lassen. Zudem war diese Situation für die Teamentwicklung und das Zusammenfinden ein absoluter Vorteil. Du wirst einfach schneller eine Mannschaft. So etwas gemeinsam zu meistern, schweißt zusammen.
Stephen Schultz: Es war anfangs schon eigenartig. Gehindert an einem Wechsel hat es uns aber nicht. Wir hatten natürlich gedacht, dass es irgendwie möglich sein könnte, früher in die Halle zu kommen, aber nun sind wir endlich zurück.
Eishockey in der DEL 2: Was ist anders und wie findet ihr das Niveau der Liga?
Stephen Schultz: Das Niveau ist gut. Es wird schnelles und offensives Hockey gespielt. Mir macht es Spaß in der Liga zu sein und jeden Tag etwas zu lernen.
Maury Edwards Die Teams sind sehr eng beieinander. Sehr viele Spieler verfügen über eine gute Puckkontrolle. Nahezu jedes Team hat zwei gute Scoring Reihen und dazu eine Nachwuchsreihe mit Potential.
Mal was Anderes zum Thema Eingewöhnung in Europa: Fahren mit Gangschaltung – eine große Umstellung?
Stephen Schultz: Oh je, das war wirklich hart für mich. Ich kannte bisher aus Nordamerika nur Automatik-Getriebe. Das war schon eine Umstellung für mich und anfangs nicht einfach. Markku (Tähtinen) zeigte mir, wie es funktioniert. Er saß oft neben mir und hielt sich so fest, dass man die weißen Knöchel seiner Hand sah. (lacht) Mittlerweile klappt es aber ganz gut.
Maury Edwards: Bei mir war es nicht so tragisch, ich kannte das Fahren mit Gangschaltung schon. Von daher ging es mit der Umstellung recht schnell.
Habt ihr einen Lieblings-Teamkollegen in der Mannschaft des ESV?
Maury Edwards: Da gibt es einige, aber keinen bestimmten. Ich komme mit allen gut aus, egal ob es junge oder erfahrene Spieler sind. Es sind gute Jungs und man kann mit allen Spaß haben.
Stephen Schultz: Die Jungs sind absolut in Ordnung und ich komme mit allen sehr gut zurecht. Einen speziellen Lieblingsspieler habe ich nicht, aber mit Sami Ryhänen ist es oft recht lustig.
Weil ihr es gerade ansprecht: Hattet ihr bei euren bisherigen Stationen schon einmal finnische Mitspieler? Beim ESVK spielen heuer ja gleich drei finnische Spieler.
Maury Edwards: Ich finde es sehr gut, hatte aber bislang keine finnischen Mitspieler im Team. Die Finnen in unserem Team haben fraglos eine sehr gute Qualität und sind Führungsspieler.
Stephen Schultz: Ich habe in der letzten Saison mit Mikko Hoivonen als Teamkameraden, der in der aktuellen Saison in der KHL unter Vertrag ist, gespielt. Unsere finnischen Spieler sind sehr gute Spieler, die für das Team sehr wichtig sind.
Was sind eure Ziele diese Saison, sowohl persönlich als auch mit dem Team?
Stephen Schultz: Ich möchte dem Team helfen und mit der Mannschaft in die Playoffs kommen.
Maury Edwards: Natürlich das Erreichen der Playoffs . Daneben möchte ich in jedem Spiel gewinnen.
Maury, du bist bisher der punktbeste Verteidiger beim ESVK. Liegt dir das offensive Spiel?
Maury Edwards: Das offensive Spiel liegt mir. Ich mag es, neben der Defensivarbeit auch hier Akzente zu setzen. Wenn es mit der Punkteausbeute natürlich so klappt, ist das ein positiver Nebeneffekt.
Eine Frage an Stephen: Seit einigen Partien spielst du im Powerplay an der blauen Linie. Wessen Idee war das und wie ist diese Position für dich?
Stephen Schultz: Die Idee hatten der Trainer und ich. Ich habe schon früher auf dieser Position gespielt und es hat gut geklappt. Der Trainer hat mich nun auf diese Position im Überzahlspiel gestellt, wollen wir hoffen, dass es dem Team hilft.
Wie schaut es denn bisher mit euren Deutsch-Kenntnissen aus? Es ist ja nicht alltäglich, dass man mit „Servus“ und „Guten Abend“ begrüßt wird.
Stephen Schultz: Also ich denke, es wird immer besser und wir verstehen schon recht viel.
Maury Edwards: Ja, das Verständnis ist mittlerweile ganz gut. Und eines muss man auch sagen, sobald wir irgendwie in der Nähe sind, wird englisch geredet oder für uns übersetzt. Das zeigt den tollen Charakter der Truppe.
Habt ihr vor eurem Engagement in Kaufbeuren schon etwas von eurem jetzigen Coach und sportlichen Leiter Didi Hegen gehört?
Stephen Schultz & Maury Edwards: Vor unserer Zeit hier in Kaufbeuren haben wir zwar noch nichts von Didi Hegen gehört, aber mittlerweile wissen wir, dass er zu den besten deutschen, wenn nicht gar europäischen, Spielern aller Zeiten gehörte. Es ist uns eine Ehre unter ihm als Trainer zu spielen. Auch von den Erfolgen des ESVK haben wir etwas Kenntnis und sind stolz Teil dieses Vereins zu sein.